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Partnerschaft zwischen Cammerunern und Cammerschen als Beispiel der Deutschen Einheit

Wilde Ehe von Dorf zu Dorf vor Legalisierung

Cammer (bus). Das „Fläming-Echo“ der in Potsdam erscheinenden „Märkischen Allgemeinen“ hat den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit zum Anlass eines Berichts über die Partnerschaft zwischen den namensgleichen Orten Cammer (Brandenburg) und Cammer (Niedersachsen) genommen. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, stellt die Zeitung ihrem Artikel voran.

veröffentlicht am 09.10.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 19:41 Uhr

Die Cammerschen, wie sich die Brandenburger selbst bezeichnen, bewohnen einen im Landkreis Potsdam-Mittelmark gelegenen Ortsteil von Planebruch. Er ist über die Autobahn 2, Ausfahrt Lehnin (nicht: Lenin!), zu erreichen. Die Verbindung zu den Cammerunern, so lautet die von Ortsbürgermeister Friedrich Rösener mit Nachdruck bezeugte Eigenbezeichnung der Niedersachsen, geht auf eine Initiative von Ehrhard Säcker (Niedersachsen) zurück. Der damalige Lokalpolitiker hatte schon vor der Wiedervereinigung um die Existenz des Namensvetters gewusst. Bald nach Öffnung der Grenze nahm er Kontakt zu Gerhard Rettig auf, der zu der Zeit die kommunalpolitischen Geschicke im Brandenburgischen bestimmte. Säcker stieß auf offene Ohren, der erste Schritt einer bis heute haltenden Beziehung war getan.

Seit 1992 gibt es regelmäßige Kontakte. 1993 fuhren die Cammerschen aus dem Planetal erstmals mit einer Abordnung in den Westen, 1994 wurde der Besuch erwidert. Im August 2010 ist die Partnerschaft mit einem für jedermann sichtbaren Zeichen bekräftigt worden. Die Cammeruner brachten bei ihrem aktuellen Aufenthalt eine aus solidem Eichenholz gefertigte Bank als Gastgeschenk mit. „Cammer 2010 Schaumburg“ ist darauf zu lesen. „Kommunalpolitisch gibt es wenige Anknüpfungspunkte, weil wir inzwischen zu einem Teil der Stadt Bückeburg geworden sind, aber die Gemeinsamkeiten im Dorfleben sind vorhanden“, sagte Ortsbürgermeister Rösener während der Sitzmöbelaufstellung. Womit er die Zustimmung seines Amtskollegen Ulf Dingelstaedt fand. Beide sind der Meinung, dass das Miteinander befruchtend ist.

Rösener erinnert sich noch gut an die erste Begegnung mit den Namensvettern. „Das Büfett im Dorfgasthof bog sich vor lauter Speisen, wir wurden ausgesprochen herzlich empfangen“, erzählt der 79-Jährige. Bei den Feierlichkeiten zum 675-jährigen Bestehen von Cammer/Brandenburg im Mai 2008 marschierte eine Delegation aus dem Schaumburgischen mit. Rund 50 Cammeruner waren angereist und wurden von den Cammerschen beherbergt. Regelmäßige Besuche der Brandenburger in Niedersachsen stehen ebenfalls auf der Tagesordnung. So ging es zum Ernte- oder auch zum Schützenfest. „Der Austausch findet hauptsächlich auf Vereinsebene statt, es sind private Freundschaften entstanden“, resümieren beide Bürgermeister.

Weil sich ihre Orte nun lange genug gegenseitig prüfen konnten, soll die „wilde Ehe“ demnächst eine Legalisierung erfahren. Aus Anlass der 450-Jahrfeier von Cammer/Niedersachsen und des 20. Jubiläums der Beziehungen zwischen den beiden Dörfern, soll die Verbindung in zwei Jahren besiegelt werden. Ein höchst offizieller Partnerschaftsvertrag befindet sich bereits in Vorbereitung. In der Zwischenzeit wird die Sitzbank im Gutspark zu Cammer weiterhin Spaziergänger zu einer Ruhepause einladen.




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