weather-image
×

Landwirt aus Strücken unternimmt Odyssee durch die Ämter / Hilft EU-Topf?

Wildgänse fressen Möhrenfelder leer - 20 000 Euro Schaden - Was tun?

Strücken (wm). Seit in Hohenrode durch den Kiesabbau so langsam eine ganze Seenlandschaft entsteht, kann der Strückener Landwirt Heinrich Schnare schon im Frühjahr darauf warten, dass Hundertschaften von Wildgänsen über seine frisch angepflanzten Möhrenfelder herfallen. Rund 600 Tiere auf einmal, die genüsslich die Jungpflanzen auszupften, hat Schnare schon auf seinen Äckern gezählt.

veröffentlicht am 05.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Vor drei Jahren seien zum ersten Mal Schäden in großem Umfang aufgetreten, schilderte Schnare, im Vorjahr sei es besonders schlimm gewesen: Auf 35 000 Euro schätzt er den Ernteausfall durch Wildgänse. In diesem Jahr seien bisher Schäden von rund 20 000 Euro aufgelaufen, dabei habe die Möhrenernte noch nicht einmal begonnen. Bisher hat der Strückener Landwirt noch keinen Cent Entschädigung gesehen, sondern bei seiner Odyssee durch die Ämter - vom Landvolk über die Landwirtschaftskammer bis hin zum Ministerium - nur erfahren, dass es für Wildschäden dieser Art in Niedersachsen keine Regelung gibt - anders als im Nachbarland Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen fehlt eine entsprechende Landesverordnung, die das regeln könnte. Dr. Domenik Mayer von der Presseabteilung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums in Hannover drückt das unverblümt so aus: "Das ist eben das Betriebsrisiko eines Landwirts. Vögel sind Natur - wie das Wetter." Schnare sieht es anderes: Als es noch keine Kiesteiche vor Hohenrode gegeben hat, habe er auch keinenÄrger mit Wildgänsen gehabt. Erst die Wasserflächen hätten die Tiere in so großer Zahl angelockt. Dass Möhrenanbau grundsätzlich mehr Risiken in sich birgt als der Anbau jeder anderen Feldfrucht, weiß der Strückener aus Erfahrung: Entweder es ist zu heiß oder zu nass, Möhren reagierten auf jede Abweichung sensibel. Abnehmer des Gemüses mit dem hohen Vitamingehalt ist vor allem der Getränkehersteller Wesergold. Was tun? Einfach abschießen kann man die Langhälse nicht. Manche Arten sind ganzjährig geschützt, andere Vögel - wie die Graugänse - dürfen lediglich vom 1. bis zum 31. August bejagt werden. Schlecht für den Landwirt, denn dann haben sie bereits die Felder leer gefressen. Jetzt hat sich die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ursula Helmhold, eingeschaltet und Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen direkt über den Fall informiert. Helmhold kann sich vorstellen, dass eine Regelung möglich sein könnte, wie sie in ähnlichen Fällen schon in Ostfriesland und an der Elbe praktiziert worden ist: Der Landwirt schließt Vereinbarungen im Rahmen eines Vertragsnaturschutzes ab. Gezahlt wird dann aus dem "Proland-EU-Topf" - allerdings keine Entschädigung, sondern gewissermaßen ein "Nutzungsentgelt" für die Anlage eines "Lenkungsfutterplatzes" für Gänse. Nicht ohne Ironie: Schnare müsste dazu erklären, schildert Dr. Magnus Buhlert, Pressesprecher beim Umweltschutzministerium, dass "er gerne etwas für die Gänse tun würde, dass er die Tier ganz toll findet, nur eben nicht auf seinen Feldern".




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige