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Ex-Herderschüler und Irmela Mensah-Schramm übersprühen rechte Parolen am Schulgebäude

„Wir lassen uns niemals entmutigen“

Bückeburg. Die Herderschule ist aufgelöst. Ehemalige Schüler und die Menschrechtsaktivistin Irmela Mensah-Schramm nehmen es aber dennoch nicht hin, dass Slogans ihrer Aktion „Mit bunten Farben gegen braune Parolen“ bereits kurze Zeit später von Neonazis übermalt worden sind, beziehungsweise das Gebäude mit weiteren braunen Parolen und einem Hakenkreuz besprüht worden ist. Gestern Morgen rückten sie an und übersprühten alte und neue Schmierereien. Wo vorher „nicht“ stand, sind durch das Übersprühen rechte Parolen ins Gegenteil verkehrt worden. Andere Zeichen wie SS-Runen, Zahlenkürzel oder Parolen, die sich nicht ins Gegenteil verdrehen ließen, sind komplett übertüncht.

veröffentlicht am 04.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:41 Uhr

Fernseh- und Radioteams begleiteten die Aktion und führten Interviews. Zu Störungen durch Neonazis kam es dieses Mal nicht. Lediglich der Hausmeister der Schule erkundigte sich, was dort passiert. Er gab sich zufrieden, als Irmela Mensah-Schramm erklärte, dass sie die volle Verantwortung übernehme.

„Ich bin so angewidert, als ich von den erneuten Schmierereien gehört habe, dass ich wieder gekommen bin, um Flagge gegen die Neonazis zu zeigen“, sage Irmela Mensah-Schramm gegenüber unserer Zeitung. Den Neonazis gehe es darum zu zeigen, dass sie die Oberhand haben. „Wir zeigen mit solchen Aktionen, dass wir die Oberhand haben. Und auch behalten werden.“

Im gleichen Atemzug übte sie heftige Kritik an den Aussagen, die im Anschluss an die Aktion der neunten Klasse der Herderschule Mitte Juli im Schulausschuss einen Tag später geäußert worden sind (wir berichteten). „Bückeburg ist ziemlich braun und nicht bunt, wie es sich gerne darstellt. Die Ignoranz und Toleranz hat die rechte Szene hier groß gemacht. Toleranz darf nicht mit dem Begriff der Tolerierung verwechselt werden.“

Irmela Mensah-Schramm: „Bückeburg ist ziemlich braun“.

Es sei erschreckend, wie öffentlich verständnislos auf unsere Aktion reagiert wurde, während die Aktion der Neonazis wie etwa die Sachbeschädigungen am Herderschul-Gebäude offensichtlich verharmlost und uns die Schuld zugeschoben wird, so die Aktivistin weiter. Auch die „Verharmlosung“ der Polizei gegenüber den „Unsterblichen“ und zu ihren Aktionen keinen Handlungsbedarf zu sehen, sei nicht nachzuvollziehen. Die „Unsterblichen“ und mit ihnen die „Spreelichter“ seien erst vor wenigen Monaten vom Innenminister Brandenburgs verboten worden.

Sie sei sicher, dass die Aktion der Neonazis vom 17. Juli nicht spontan gewesen, sondern aus der Herderschule heraus vorbereitet worden sei. Dies hätten die Neonazis selbst im Internet bestätigt.

Unwahr seien auch die Aussagen der damaligen Schulleiterin Christine Marx, dass sich vor Bekanntwerden der „Antinazi-Putzaktion“ keine Nazischmierereien an dem Gebäude befunden hätten: „Sonst wäre diese Aktion mit Frau Marx weder geplant noch organisiert worden.“ Und zählte auf, was sich alles für Parolen und Zeichen an dem Gebäude befunden hatten.

Und sich auch noch befinden, wie gestern Morgen deutlich wurde. An diversen Stellen wurden die Schüler und Irmela Mensah-Schramm aktiv und übermalten oder übersprühten Parolen. „Wir lassen uns niemals entmutigen“, ist jetzt die klare Aussage, die im Buswartehäuschen prangt. Oder: „Meinungsfreiheit! Wir können sie sehen“. Diverse andere Zeichen und Abkürzungen sind jetzt mit blauer oder schwarzer Farbe übermalt. Übermalt wurden auch Parolen, die auf Weisung der Herderschule bei der Aktion am 17. Juli nicht übermalt werden durften. Damals sei keine Begründung für dieses Verbot gegeben worden, hieß es seitens der Schüler.

„Wir sind ein multikulturelles Land, und das ist auch gut so“, stellte Patrick Tielker als einer der beteiligten ehemaligen Schüler fest. Die gesprühten Parolen seien eine Beleidigung für alle, die in Deutschland leben. Die Demokratie müsse sich gegen solche Auswüchse wehren: „Wir wollen und werden eine klare Antwort geben.“




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