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Bürgerengagement und Berg-Sorgen: Serie „Hier leben wir!“ in Steinbergen

„Wir müssen die Leute aufrütteln“

Steinbergen (jaj). Berge, Bürger und Bundesstraßen haben bei unserer Sommerserie „Hier leben wir!“ in Steinbergen im Mittelpunkt gestanden. Immer wieder berührte die Unterhaltung im Steinberger Hof diese Themen – mal im positiven, mal im negativen Sinne.

veröffentlicht am 28.07.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 19:21 Uhr

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„Egal wo man in Steinbergen wohnt, eigentlich ist überall ein Wald in der Nähe“, lobte eine Steinbergerin. Leider traue sie sich bei einem Berg jedoch kaum, ihn mit ihrem Hund zu betreten – dem Messingsberg, an dem es vor einigen Jahren einen Hangrutsch gegeben hat. „Seit ich weiß, dass der Berg in Bewegung ist, ist mir das zu gefährlich“, sagte sie. Auch einem anderen Steinberger bereitete der Messingsberg aus diesem Grund Sorgen. „Es muss eine vernünftige Hangsicherung geben“, forderte er, „und nicht wie aktuell geplant einfach einen Zaun drum herum.“ Dieser bekäme irgendwann Löcher und es könne zu weiteren Rutschungen kommen. „Wer kümmert sich denn darum, wenn der Betreiber irgendwann weg ist?“, fragte er. Es könne nicht sein, dass dann die Stadt Rinteln zuständig ist. „Immerhin hat doch der Betreiber die Schäden am Berg verursacht.“ Und der solle den Hang so absichern, dass zukünftig keine Gefahr mehr besteht und dass das Gebiet auch für Touristen wieder zugänglich ist.

Momentan geht die Hundebesitzerin daher vor allem in dem oberhalb der B 238 gelegenen Berg, der Hirschkuppe, spazieren. „Aber da ist ja jetzt die Umgehungsstraße geplant. Dann ist spazieren gehen dort doch auch nicht mehr schön“, befürchtet sie.

Ein anderer Steinberger wünscht sich kurzfristigere Verkehrssicherungsmaßnahmen an den Bundesstraßen. „Es ist verdammt gefährlich, aus einer Seitenstraße auf die Bundesstraßen einzubiegen“, sagt er. „Da muss jetzt etwas getan werden und nicht erst in 20 bis 40 Jahren, wenn die Umgehungsstraße kommt.“ Er schlägt vor, die vorhandenen Fußgängerampeln zu nutzen. Es gebe die Möglichkeit, die Ampeln so aufzurüsten, dass sie durch einen Kontakt im Asphalt oder Lichtschranken erkennen, wenn ein Auto die Seitenstraße befährt, und dann auf Rot schalten. „So kommt der Verkehr zum Stehen und das Abbiegen wird sicherer.“ Eine andere Steinbergerin sieht einen weiteren positiven Aspekt in dieser Lösung: „Dann wird auch nicht mehr so schnell gefahren.“ Das wiederum sah ihr Gegenüber anders: „Anfahrende Autos sind lauter als durchfahrende“, warnte er.

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Doch auch, wenn die Umgehungsstraße irgendwann da ist, bringe sie nicht nur Vorteile für den Ort. Natürlich werde der Verkehr weniger, aber gerade von diesem Verkehr lebten ja auch die Steinberger Geschäftsleute – und von denen gebe es noch außergewöhnlich viele. „Wir haben einen Supermarkt, einen Friseur, Fußpflege, eine Poststelle, eine Änderungsschneiderei einen Schlachter und noch vieles mehr“, zählt eine Steinbergerin auf und appelliert an die Steinberger, die Geschäfte vor Ort stärker zu nutzen. Nur so könnten sie erhalten bleiben.

„Eigentlich kann man in Steinbergen völlig autark leben“, fasst ein Steinberger das Einzelhandelsangebot zusammen. Das sei auch nötig, denn die Busverbindung nach Rinteln sei denkbar schlecht, so ein anderer, der sich bei diesem Punkt Verbesserungen wünscht. „Es wäre schön, wenn die Busse wie in anderen Orten stündlich fahren würden.“

Lobend hervorgehoben wurde auch das Kino („es bekommt regelmäßig Preise für die innovative Filmauswahl“), die Pizzeria („Pizzabäcker Giovanni ist der Beste in ganz Rinteln“), schöne Orte wie die Schützhütte an der ehemaligen Liegewiese am Messingsberg und das große Vereinsangebot im Ort. Leider mangele es aber trotz vieler Bemühungen an einer übergreifenden Dorfgemeinschaft. „Es wäre schön, wenn ein paar jüngere Leute sich einbringen würden“, wünschte sich eine Steinbergerin. Früher hätten sich Mitglieder des Verkehrs- und Verschönerungsvereins um viele Dinge, wie die Instandhaltung von Bänken und Wegen gekümmert. Aber die seien dafür mittlerweile zu alt geworden.

Das könne man nicht nur an dem Zustand des ein oder anderen Weges erkennen, sondern auch an den Veranstaltungen im Ort. Heute gebe es zwar noch schöne Veranstaltungen wie zum Beispiel die Backtage und das Osterfeuer, „aber da kommen auch immer dieselben paar Gesichter“. Das sei früher anders gewesen. Da gab es noch große Schützen- und Erntefeste“, erinnern sich einige. Am Erntefest-Montag habe sich noch bis Mitte der 80er Jahre das ganze Dorf getroffen und miteinander gefeiert. „Das war eine tolle Zeit“, waren sie sich einig und formulierten ein Ziel für die Zukunft: „Wir müssen die Leute aufrütteln. Die Steinberger müssen sich wieder mehr in ihrem Ort einbringen.“

Morgen Abend wird unsere Sommerserie „Hier leben wir!“ fortgesetzt, und zwar in Krankenhagen. Um 18 Uhr erwartet Redakteur Philipp Killmann Sie im Gasthaus Kuhlmann.




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