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Krankenhaus Bethel informiert über Therapien von Knie- und Hüftgelenksarthrosen

„Wir operieren keine Röntgenbilder“

Bückeburg. Die wichtigste Botschaft seines mit „Arthrose der Hüfte und des Knies – immer Gelenkersatz?“ betitelten Fachvortrags kommt ziemlich zum Schluss: „Wir operieren keine Röntgenbilder“, stellt der promovierte Mediziner Jürgen Helgers, Chefarzt in der Orthopädie- und Chirurgieabteilung des Krankenhauses Bethel, fest.

veröffentlicht am 21.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:41 Uhr

Nicht der Arzt, sondern nur der von arthrotischen Veränderungen dieser Gelenke betroffene Mensch entscheide darüber, wann etwa eine Operation zum Einsatz einer Gelenkprothese angesagt ist, denn ein von der Norm abweichender Befund, den ein konsultierter Arzt anhand des bildgebenden Verfahrens diagnostiziert, muss dem Patienten noch lange keine Beschwerden bereiten. Oder anders formuliert: Erst dann, wenn der körperliche Verschleiß zu Schmerzen, einer Einschränkung der Mobilität und einem Verlust an Lebensqualität führt, ist für den Betroffenen der Punkt gekommen, dass er über eine operative Behandlung nachdenken sollte – und vermutlich auch wird.

Weil das Beschwerdebild Arthrose in der immer älter werdenden Gesellschaft weit verbreitet sei, habe sich hierum ein „riesengroßer Markt“ entwickelt, der von vielen Seiten intensiv umworben wird, sagt Helgers. Dementsprechend groß sei allein das Angebot an nicht-operativen Therapien. Deren Spektrum reiche von der bloßen Schonung des Hüft- oder Kniegelenkes über krankengymnastische Übungen, Kyrotherapie (Kälte) und Akupunktur bis hin zur Behandlung mit Bestrahlungen sowie Injektionen von Kortison und Interleukin, die die entzündlichen Reizzustände in den Gelenken mindern sollen. Manchen dieser Maßnahmen fehle es letztlich aber an einer „wissenschaftlich nachgewiesenen Effektivität“, betont er. Wenngleich es durchaus Menschen gebe, die nach solchen nicht-operativen Therapien von einer Linderung ihrer Beschwerden berichten.

Steht dagegen eine Operation an, richtet sich der Umfang des ärztlichen Eingriffs nach dem zuvor erhobenen Befund: Sind beispielsweise die arthrotischen Veränderungen im Knie noch relativ gering, komme ein so genannter prothetischer „Oberflächenersatz“ in Frage, der gegebenenfalls mit einem Schaft im Knochen verankert wird, erläutert der Experte. Bei einem einseitigen Gelenkverschleiß im Knie, aber noch intaktem Bandapparat, empfehle sich indes eine „Schlittenprothese“. Für deren Implantierung genüge – im Vergleich zur bei größeren Schädigungen erforderlichen „Vollprothese“ – ein relativ kleiner operativer Zugang zum Kniegelenk. Nach der Einheilung werde die Schlittenprothese von den Patienten zudem als „natürlicher“ wahrgenommen.

Bei einer Arthrose der Hüfte dagegen müsse man – so sich der Patient denn für eine operative Therapie entschieden hat – die Hüpfpfanne „immer ersetzen“, wobei es bei einem Oberschenkelhalsbruch übrigens ausreichend sein könne, die Fraktur zu fixieren, um den Bruch ausheilen zu lassen. Nur dann, wenn in einem solchen Fall der Oberschenkelhalskopf abgeknickt ist, ist laut Helgers eine Vollprothese erforderlich. wk




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