weather-image
Stadtwerke-Chefin Susanne Treptow fürchtet Mangel an Fachpersonal durch demografischer Wandel

„Wir setzen verstärkt auf eigene Ausbildung“

Hameln. Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung in Deutschland um rund sieben Millionen Menschen auf 75 Millionen schrumpfen, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Es werden immer weniger Kinder geboren, die Bevölkerung altert, Familienstrukturen ändern sich, Landstriche dünnen aus. Für den Landkreis Hameln-Pyrmont wird ein Aderlass von 19 000 Bewohnern prognostiziert. Über die möglichen Auswirkungen dieses Rückgangs auf den Energiesektor sprach Hans-Joachim Weiß mit Stadtwerke-Geschäftsführerin Susanne Treptow.

veröffentlicht am 17.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 21.08.2009 um 12:55 Uhr

270_008_4155305_hm401_1808.jpg

Frau Treptow, angesichts der prognostizierten demografischen Entwicklung droht Hameln-Pyrmont ein nicht unerheblicher Aderlass. Wie stellen sich die Stadtwerke als Energieversorger auf diese Situation ein?

Die Stadtwerke versorgen in erster Linie die Stadt Hameln. Da ist die Frage, wie viele Menschen angesichts der demografischen Entwicklung in die Stadt ziehen, weil dort eine Infrastruktur vorgehalten wird.

Lässt Sie diese prognostizierte Entwicklung als Chefin eines Versorgungsunternehmens unbesorgt sein?

Momentan noch. Wir haben schon in den vergangenen Jahren gesehen, dass unsere Mengen bei Strom, Gas und Wasser rückläufig sind. Was jedoch primär nicht auf einen demografischen Wandel zurückzuführen ist, sondern beim Gas auf die Erderwärmung – wir haben deutlich mehr wärmere Tage im Jahr – und beim Wasser definitiv auch auf den sparsameren Umgang mit dieser Ressource.

Und beim Strom?

Beim Strom lässt sich das nicht ganz genau sagen. Auf der einen Seite wird gespart, weil es auch bessere, effizientere Geräte gibt, auf der anderen Seite gibt es durch die Flachbildschirme und Wäschetrockner einen gewissen Strombedarf, der für die Haushalte verwendet wird. Beim Gewerbestrom ist die Abnahme aufgrund der Industrietätigkeit rückläufig.

Wir sprechen über die Zukunft, dass die Bevölkerungszahl immer weiter abnehmen wird. Was für eine Auswirkung wird diese Entwicklung auf die Stadtwerke haben?

Aufgrund gemachter Erfahrungen in den vergangenen Jahren werden wir durch Synergien, verschiedene Dienstleistungen, Restrukturierungen und Optimierungen in den Geschäftsprozessen diesen Absatzrückgang kompensieren und unsere Kosten reduzieren können.

Wird eine Reduzierung der Kosten auch Einfluss auf die Zahl der Stadtwerke-Mitarbeiter haben?

Definitiv nicht. Und auch in Zukunft nicht, denn wir verfolgen eine Wachstumsstrategie in allen Bereichen der Wertschöpfungsstufe: Erzeugung, Handel und Netz. Wir haben bereits viele Kunden außerhalb Hamelns gewonnen und erzeugen selbst Strom. Auch die Gaserzeugung wird eine Rolle spielen, indem wir Biomethan aufbereiten werden. Beim Netz setzen wir auf den jetzt startenden Wettbewerb. Die Konzessionen laufen 2011 aus, darum werden wir uns bewerben. Das bedeutet mehr Zähler, mehr Kunden, längere Netze und damit sinken auch die fixen Kosten pro Kilowattstunde. Damit wollen wir unter anderem der demografischen Entwicklung entgegenwirken, um als Stadtwerke Hameln langfristig am Energiemarkt wettbewerbsfähig zu sein und auch wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können. Mehr beschäftigt mich allerdings die Frage, wie qualifiziertes Personal zu gewinnen ist, denn das wird durch den demografischen Wandel schwieriger – gerade im ländlichen Bereich.

Treffen Sie Vorsorgemaßnahmen?

Ja, wir setzen verstärkt auf eigene Ausbildung und bilden auch in dem neuen Studiengang Betriebswirtschaft, Fachrichtung Energiewirtschaft, an der Berufsakademie Weserbergland aus, um benötigtes qualifiziertes Personal nicht vom Markt gewinnen zu müssen. Denn das wird immer schwieriger.

Stichwort Preise: Werden die Energiekosten durch eine Abnahme der Bevölkerung zusätzlich steigen?

Bei dem, was bislang prognostiziert wird, sage ich nein. Sonst müsste die Bevölkerung schon um mehr als 15 Prozent abnehmen. Wir unterteilen unseren Strom- und Gasabsatz auch nicht nur nach der Einwohnerzahl, da ein Großteil unserer Abnehmer Industrie und Gewerbe sind. Die eine Hälfte unseres Stromabsatzes verbrauchen Haushalte und Kleingewerbe, die andere Hälfte wird von der Industrie nachgefragt. Deshalb ist es für uns als Stadtwerke wichtig, dass in Hameln Arbeitsplätze vorgehalten, beziehungsweise weitere geschaffen werden, um den Energieabsatz zu gewährleisten.

Und wenn nun der Aderlass doch größer wird, als prognostiziert? Bedeutet das, dass dann diejenigen, die hier leben, die Energiekosten derer mittragen müssen, die gegangen sind?

Entscheidend ist, wie sich der Strompreis zusammensetzt. Beim Strom sind es beispielsweise 40 Prozent staatliche Abgaben, 30 Prozent entfallen auf den Stromeinkauf und 30 Prozent werden für die Unterhaltung der Netze benötigt. In der Gesamtpreiskalkulation schauen wir auf die 30 Prozent Netzkosten. Wenn dann die Netzentgelte bei niedriger Strommenge steigen, hat das im Gesamtstrompreis für den Endkunden nur minimale Auswirkungen.

Wird der Anteil regenerativer Energien automatisch höher, wenn Sie weniger Strom absetzen können?

Unser Ziel ist es, den Anteil erneuerbarer Energien und die Eigenerzeugung kontinuierlich auszubauen. Bis zum Jahr 2015 soll dieser Anteil bei 50 Prozent liegen. In dem Maße, wie wir weniger Strom einkaufen, wächst der Anteil des in eigenen Anlagen produzierten Stroms aus erneuerbaren Energien.

Wo werden die Stadtwerke Hameln 2050 stehen?

Wir werden unseren Strom zu hundert Prozent in eigenen Anlagen produzieren und das gesamte Weserbergland mit Energie versorgen.

Will bis zum Jahr 2050 das gesamte Weserbergland über die Stadtwerke Hameln mit Energie versorgt wissen: Geschäftsführerin Susanne Treptow im Gespräch mit Hans-Joachim Weiß.

Fotos: nls




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare