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Wildtierstation verhängt Aufnahmestopp für Mauersegler und Schwalben / Hausbesitzer sollten einfach abwarten

„Wir waren innerhalb von zwei Wochen restlos voll“

Sachsenhagen (aw). „Das ist wirklich unglaublich!“ Tierpfleger Jürgen Müller ist empört. Vor der Wildtierstation in Sachsenhagen hatte er einen Maurereimer mit vier Mauerseglern gefunden, den ein Mann dort abgestellt hatte.

veröffentlicht am 27.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 07:22 Uhr

Kurz zuvor hatte der Mann versucht, die Jungvögel bei der Station abzugeben. Zur Begründung sagte er, er habe die Vögel bei der Neueindeckung seines Hausdaches gefunden. Dass er dabei die Brutstätte zerstört und gesetzeswidrig gehandelt hat, interessierte den Mann nicht. Die Leitung der Wildtierstation hat nach Auskunft von Stationsleiter Florian Brandes inzwischen Anzeige erstattet.

In der Wildtierstation herrscht derzeit ein absoluter Aufnahmestopp für Mauersegler und Schwalben. „Wir waren innerhalb von zwei Wochen restlos voll“, sagte Brandes. Derzeit habe man 63 Mauersegler und 26 Schwalben in der Station. Dass Finder, die am Tor der Station abgewiesen werden, verärgert sind, kann Brandes verstehen. „Für uns ist das wirklich eine Notsituation. Unsere Mitarbeiter leisten ihre Arbeit mit großer Motivation und unermüdlichem Einsatz, aber irgendwann geht es einfach nicht mehr.“

Von den insgesamt zwölf Mitarbeitern sind täglich zwei von 7 bis 22 Uhr ausschließlich mit der Fütterung der Tiere beschäftigt. „Die Tiere sind sehr aufwendig zu füttern“, so Brandes. Das komme daher, dass Mauersegler den Schnabel nicht „sperren“ und deshalb zwangsgefüttert werden müssten. Auch seien die Grillen, mit denen die Tiere gefüttert werden, mit 60 Euro pro Kilogramm recht teuer.

Einer der Tierpfleger füttert einen Mauersegler mit Grillen.

Dass die Zahl der eingelieferten Mauersegler gerade jetzt so stark ansteigt, wundert Brandes nicht. „Die Tiere brüten vor allem jetzt im Juli massiv.“ Dabei seien sie auf Nistplätze an den Gebäuden, in Mauerritzen und unter Dachbalken angewiesen. Da viele Häuser jedoch immer stärker isoliert werden, werden auch die potenziellen Nistplätze weniger. „Der Mauersegler ist aber auf solche Nistplätze angewiesen“, so Brandes.

Hausbesitzern, die ihr Haus renovieren wollen, rät Brendes dringend dazu, noch etwa zwei Wochen zu warten. „Die Mauersegler sind Ende Juli fertig. Dann sind die ’raus. Da muss man noch zwei Wochen Geduld haben.“

Wegen der großen Hitzewelle waren in den vergangenen Tagen vermehrt abgestürzte und dehydrierte Tiere in der Station abgegeben worden. Diese fallen oft aus dem Nest, weil sie sich an der Öffnung zu weit hinauswagen. Wer einen Jungvogel am Boden findet, sollte zunächst versuchen, das Tier in das Nest zurückzulegen. Auch fremden „Vogeleltern“ kann der Jungvogel ohne Probleme „untergeschoben“ werden.

Weitere Informationen zum Umgang mit Mauerseglern gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler unter www.mauersegler.com.




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