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Diese Werkstatt in Kleinenbremen ist einzigartig im norddeutschen Raum / Kooperation mit VHS

Wo Besucher ihre Fossilien selbst präparieren

Kleinenbremen (wk). Die Tage, da sich die Besucher eines Museums allein damit zufriedengaben, die Exponate zu bestaunen und gegebenenfalls noch den Worten eines Experten zu lauschen, sind offensichtlich gezählt. „Die Leute wollen heutzutage selbst aktiv werden, deshalb haben wir ja auch unsere Mitmachwerkstätten eingerichtet“, erklärt Johannes Großewinkelmann, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des in Kleinenbremen ansässigen Museums für Bergbau und Erdgeschichte.

veröffentlicht am 04.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 07:21 Uhr

Eines dieser zusätzlichen Angebote ist die neue Präparationswerkstatt, in der die Teilnehmer von Fossilien-Workshops ihre selbst gemachten Funde unter fachkundiger Anleitung für die häusliche Vitrine aufbereiten können. Auf rund 25 000 Euro veranschlagt Großewinkelmann die Kosten für die Ausstattung der Werkstatt – Geld, das aus einem rund 400 000 Euro schweren Investitionspaket stammt, mit dem unter anderem auch eine Schmiede und eine Steinmetzwerkstatt eingerichtet, der Eingangsbereich des Museums neu gestaltet sowie der angrenzende Steinbruch freigelegt wurden.

Eine Steinsäge fürs Grobe

Der Gesamtbetrag selbst setzte sich aus Mitteln des Landkreises und einem Zuschuss aus dem EU-Förderprogramm Leader zusammen. Mit dem Ergebnis ist Mike Polschinski, freier Mitarbeiter des Museums und Hobby-Paläontologe, voll und ganz zufrieden: Die Präparationswerkstatt sei schon von der Grundkonzeption her einzigartig im norddeutschen Raum. „Aber so formvollendet, wie wir das hier haben, hat es niemand“, ist Großewinkelmann stolz. In anderen Museen und naturkundlichen Einrichtungen könne man den Präparatoren als Besucher in der Regel allenfalls durch eine Glasscheibe bei der Arbeit zusehen, aber eben nicht selbst Hand anlegen.

In Kleinenbremen gebe es dagegen zehn sehr gut ausgestattete Arbeitsplätze plus einem „Profi-Arbeitsplatz“, an denen die Teilnehmer von Fossilien-Workshops ihre Ammoniten, Muscheln und andere versteinerten Funde auf mechanische Weise („Damit decken wir ungefähr 70 Prozent der Möglichkeiten ab“) präparieren können. Zum Einsatz kommen dabei etwa eine elektrische Steinsäge fürs Grobe, kleine Multifunktionselektrogeräte zum Fräsen und Schleifen sowie Hämmer und Meißel in unterschiedlichen Größen nebst zahnärztlichen Spateln und Sonden für die Feinarbeiten. Darüber hinaus steht eine Strahlkabine zur Verfügung, in der den Fossilien mit Eisenpulver auf schonende Weise der letzte Feinschliff verpasst wird, bevor die Sammelstücke mit beispielsweise Farbtonvertiefern endbehandelt werden. Eine an jedem Arbeitsplatz installierte Absauganlage sorgt zudem für saubere staubfreie Luft in der Werkstatt.

Die Einfahrten in das ehemalige Erzbergwerk seien zwar immer noch das Kerngeschäft, betont Großewinkelmann. Zwecks Akquise neuer Zielgruppen müsse man jedoch immer flexibler auf die Kundeninteressen eingehen – und mitunter Mitmachangebote wie die Präparationswerkstatt schaffen. Um diese zukünftig intensiv zu vermarkten, würden derzeit Kooperationen mit der Volkshochschule Minden und diversen Schulen aufgebaut.

Die nächsten Termine: „Schnupperworkshop – Einführung in die mechanische Fossilienpräparation“ (Dauer: ein Tag) am 20. September; „Vom Fundstück zum Schaustück – Anfängerworkshop mechanische Fossilienpräparation“ vom 17. bis 18. Oktober, 14. bis 15. November und 12. bis 13. Dezember. Gebucht werden können die Kurse über die Volkshochschule Minden unter Telefon 0571/837660 oder im Internet unter www.vhs-minden.de




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