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Die Neuheiten: „Sister Act“ und „Hinterm Horizont“ von Udo Lindenberg bringen Bewegung auf die deutschen Bühnen

Wo ein Musical spielt, ist meist auch ein Kurzurlaub drin

Von Sibylle von Kamptz

veröffentlicht am 10.07.2010 um 00:00 Uhr

Große Gefühle, eingängige Melodien, aufwendige Shows – Musical-Fans dürfen sich auf zwei Premieren freuen: Ende Oktober hebt sich für „Hinterm Horizont“ im Theater am Potsdamer Platz in Berlin der Vorhang. Die mit Udo Lindenberg entwickelte Produktion, so der Musicalkonzern Stage Entertainment, erzählt eine „East-West-Side-Story voller schicksalhafter Begegnungen und grenzenloser Gefühle“ in den Zeiten des Eisernen Vorhangs. Garniert wird die Geschichte mit Lindenberg-Songs wie „Sonderzug nach Pankow“, „Andrea Doria“, „Cello“ und natürlich „Hinterm Horizont“.

Ebenfalls im Spätherbst startet das Musical „Sister Act – ein himmlisches Vergnügen“ im Operettenhaus in Hamburg. Als Vorlage dient der berühmte gleichnamige Kinokultfilm mit Whoopi Goldberg als Nachtklubsängerin Deloris, die sich in einem Kloster vor Gangstern verstecken muss. Nachdem sie sich an die strengen Ordensregeln gewöhnt hat, erweckt sie mit ihrem mitreißenden Charme den Nonnenchor zu neuem Leben. Whoopi Goldberg ist auch in Hamburg als Produzentin in die Inszenierung eingebunden.

Zwei neue Stücke auf deutschen Musical-Bühnen – das bedeutet, dass einige Produktionen quer durch die Republik wandern: Bis Mitte September bittet Graf Krolock im Palladium Theater in Stuttgart zum Mitternachtsball: Dort startet der „Tanz der Vampire“ und bricht nach Angaben des Veranstalters alle Vorverkaufsrekorde: 180 000 Tickets sind für die Show nach der Filmvorlage von Roman Polanski bereits gebucht. „Wicked – die Hexen von Oz“ treiben im Metronom Theater in Oberhausen ihr Unwesen.

Schaurig-schön: „Tanz der Vampire“.

Ende August verabschiedet sich „We will rock you“ aus dem Ländle: Die 21 Hits von Queen sorgen dann ab Mitte Oktober in Berlin für Stimmung.

Leinen Los in Hamburg: „Ich war noch niemals in New York“ verlässt Ende September nach zwei Jahren die Hansestadt. Ab Herbst werden die Songs von Udo Jürgens – von „Mit 66 Jahren“ bis „Aber bitte mit Sahne“ – im Apollo Theater in Stuttgart zu hören sein.

Bis Ende August sind auch die blauen Männer der „Blue Man Group“ im Bluemax Theater unterwegs. Schon seit 2004 zählt die Show aus New York fest zur Entertainment-Szene Berlins. Über zwei Millionen Zuschauer – 80 Prozent davon Touristen aus dem In- und Ausland – ließen sich bislang von dem unkonventionellen Mix aus Musik, Comedy und Theater in den Bann ziehen.

Tatsächlich spielen Musicals eine große Rolle bei Städtereisen: Sie sind häufig Anlass für einen Kurzurlaub. Unangefochtene Musicalhauptstadt Deutschlands ist Hamburg. Zwei Stücke aus dem Hause Disney sorgen dort für volle Häuser: „Tarzan“ turnt auf der Suche nach der großen Liebe seit einem Jahr im Theater Neue Flora durch den Dschungel. Der „König der Löwen“ herrscht seit 2001 erfolgreich im Theater im Hamburger Hafen. In mehr als 3300 Shows wurden über sechs Millionen Besucher in die farbenfrohe Welt der afrikanischen Wildnis entführt – damit soll das Musical nach Angaben von Stage Entertainment das erfolgreichste Musical Deutschlands sein.

Das Ruhrgebiet – hier betreibt der TKS Ticketservice drei Theater – hat für Musicalfreunde ebenfalls einiges zu bieten. Als Dauerbrenner erweist sich „Starlight Express“: Seit 21 Jahren kommen die Zuschauer nach Bochum, um bei der Weltmeisterschaft der Lokomotiven dabei zu sein. Waghalsige Rollschuhstunts, akrobatische Showeinlagen und mitreißende Melodien sorgen für Stimmung, wenn die Dampflok Rusty versucht, das Herz des schönen Erste-Klasse-Waggons Pearl zu erobern.

Nur noch bis Ende Juli erzählt „Buddy – Das Buddy Holly Musical“ mit viel Rock’n’Roll die Lebensgeschichte des Sechziger-Jahre-Stars in Essen. Danach bleiben die Lichter im Colosseum Theater aus. „Wir haben es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, den Spielbetrieb in Essen profitabel zu gestalten“, bedauert Johannes Mock-O‘Hara, Geschäftsführer von Stage Entertainment Deutschland.

Insgesamt entwickele sich das Genre Musical aber trotz des rauen wirtschaftlichen Klimas positiv. Der Mutterkonzern betreibt in acht Ländern 27 Theater, neun davon in Deutschland. 2009 wagte man den Einstieg in den italienischen Markt: Seit Oktober läuft im eigens umgebauten Teatro Nazionale in Mailand das Musical „Die Schöne und das Biest“.




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