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Volles Haus: Weserspatzen hatten volkstümliche Musikanten zu Gast

Wo Kerzen sich auf Herzen reimen: "Klingende Bergweihnacht 2006"

Rinteln (ur). Gleich mehrere Sieger des Grand Prix der Volksmusik sorgten am gestrigen Sonntag dafür, dass im Brückentorsaal bei der "Klingenden Bergweihnacht" der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war und der aus dem Schwarzwald kommende Moderator und Initiator Hansy Voigt schon zur Begrüßung einen donnernden Applaus für kleine und große Weserspatzen herauskitzeln konnte: Und wenn dann auch in der übergroßen Aufgeregtheit mal der eine oder andere Einsatz von Chorleiter Wolfgang Wicklein zu früh oder zu spät bei den Kindern ankam und bei kleinen Patzern sogar das eine oder andere Tränchen floss, eroberten die singenden Spatzen die Herzen des Publikums und ihrer "großen" Kollegen" im Sturm - ob mit "Ihr Kinderlein kommet", mit der "Weihnachtsbäckerei" oder dem poppigen "Santa Baby" aus der Chor-Combo.

veröffentlicht am 18.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Als Südtiroler Cowboys stürmten dann die Psayrer aus Südtirol die Bühne und umschmachteten bei "Berge im Feuer" mit der feschen und auch jodelnden Sängerin Sandra ihre Zuhörer, überraschten mit getanzter Walzerseligkeit in "Andante, Andante", mit dem mutigen Endreim "In der Glut einer Nacht ist die Liebe erwacht." Riesenapplaus gab es dann für Schlagertroubadour Oliver Thomas, dessen Heiratsantrag an seine Freundin bei der "Sommernacht der Volksmusik" mit Carmen Nebel in der späteren Pause für heftige Debatten zwischen Fans aus Eisbergen, Rolfshagen, Hannover, Engern und selbst Eschwege und Bad Pyrmont sorgte: "Warum ist denn dem seine Verlobte heute nicht dabei?" Mit seinen Hits wie "Ich will" und "Rom oder Rhodos" sorgte der 195 cm lange Lulatsch für Stimmung wie zu Zeiten der guten alten Hitparade und mit seinem gewagten Vokalsprung ins Falsett beim internationalen Titel "Boleros" überzeugte er auch jene, die glauben, dass solche Entertainer nur mit Vollplayback agieren können. Nach dem plötzlichen Tod ihres langjährigen Partners Rudi versucht sich die Schweizer Sängerin Vreni Margreiter jetzt an einer Solokarriere und zumindest die Reaktion auf ihren höchst melodramatischen Rintelner Auftritt belegt, dass im Publikum die Bereitschaft besteht, an ihre "Serenata per la Fortuna" zu glauben. "Und danach noch a Liadl von meinem Schatz, a Liadl, wo mir so sehr am Herzen liegt..." Danach wird das Pathos noch gesteigert bei den Ladinern, bei denen im Lied der Heimat die Glocken zum Gebet rufen und die in ihrem Grand Prix-Titel die Menschheit belehren: "Eure Eltern ehret sie/schiebt sie auf die Seite nie" und dazu ganz ironiefrei einfordern: "Beuge dich vor grauem Haar!" Im heimischen Grödnertal gedeihen neben Enzian und Edelweiß dann auch Sentenzen wie diese: "Weisheit kommt aus ihrem Mund/weise Worte sind gesund." Anschließend gewinnen der Joakin und der Otto dann aber auch die Skeptiker gegenüber solcher Poesie mit einem Vico-Torriani-Medley von "La Pastorella" und dem "CafeOriental" bis hin zu "Kalkutta liegt am Ganges..." Ob die eingeschworenen Fans den Volksmusikkönigen aber auch auf diesen Pfaden folgen werden, entscheidet sich letzten Endes am Erfolg der CD-Produktion, die von den alten Vico-Erfolgen eingespielt wurde. Die Feldberger boten durch und durch solide Unterhaltungsmusik mit Schwarzwald-Herkunft und mit maritimen Liedern brachte Sonja Christin aus Ostfriesland ihr Publikum in fescher Kapitänsuniform zum Schunkeln und Mitsingen - und nach der Pause gar gab sie die Grand Dame der Volksmusik in atemberaubend dekolletierter Abendgarderobe. Apropos Pause: da tobte im Foyer der Kommerz in seiner vielseitigsten Form: Es gab nicht nur CDs und Videos, Fan-Schürzen und Käppis, sondern auch Weinflaschen mit den Konterfeis der Künstler, Hosenträger - und sogar Anmeldemöglichkeiten für Kreuzfahrten und Urlaub in den Bergen mit den Protagonisten der Show: unglaublich, wie die Euroscheine da über die Tresen flatterten! Zum Auftakt der zweiten Programmhälfte trieb Moderator Voigt mit den Weserspatzen und Küken nach deren Vortrag seine Späße unter Einsatz seiner Bauchrednerpuppe Hase Felix und Musikanten aus allen beteiligten Gruppen sammelten sich zur sentimental-beschaulichen "Stubenmusi" auf der Bühne. Im Finale verabschiedeten sich alle Künstler mit weihnachtlich gestimmten Liedern, bevor es dann zum Schluss auch noch zu einem etwas hastigen "O du fröhliche" mit dem Publikum kam: Schließlich mussten alle schon zweieinhalb Stunden später in Lemgo auf der Bühne sein. So hektisch kann Bergweihnacht 2006 in dieser Zeit schon mal sein...




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