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Verhaltene Premiere von „Müllers Mahlzeit“

Wo Preußens Krone eingemauert war

Kleinenbremen (ly). Die Resonanz hätte größer sein können: Acht Menschen ließen sich kürzlich durch Kleinenbremen führen und anschließend an Hartings Wassermühle beköstigen. Weitere 15 nahmen ebenfalls „Müllers Mahlzeit“ ein, allerdings ohne vorherigen Rundgang.

veröffentlicht am 04.08.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 06:41 Uhr

„Davon lassen wir uns nicht entmutigen“, sagt Walter Caselitz, Vorsitzender des Lütkenbremer Heimatvereins. „Es war ein Anfang. Unser neues Angebot muss sich vielleicht erst rumsprechen. Außerdem ist Urlaubszeit.“ Der Termin für die zweite „Müllers Mahlzeit“ steht daher bereits fest: Sonntag, 10. Oktober. Anmeldungen nimmt der Kleinenbremer Tourismus-Koordinator Thomas Sill unter Telefon (0 57 22) 288 737 entgegen.

Sill ist zugleich Fremdenführer und zeigt Auswärtigen auch an anderen Tagen die Sehenswürdigkeiten des Dorfes. Er, Caselitz und Werner Wippermann vom Heimatverein hatten die Gäste nach deren Ankunft mit der Mindener Museums-Eisenbahn am Besucher-Bergwerk begrüßt, bevor es durchs Dorf ging.

So bekam die Gruppe einen Eindruck von diversen Kleinenbremer Sehenswürdigkeiten: Mühlenpatt, Dorfteich, je zwei Mühlen und Backhäuser, Energiesiedlung, Dorfmuseum, Kirche und Boule-Platz, wo gerade um den Westfalenpokal gespielt wurde. Besonders interessant fanden die Besucher offenbar die Geschichte des Preußenschatzes, der von Weihnachten 1944 bis Januar 1946 unter der Kellertreppe der Kleinenbremer Kirche eingemauert war.

Dafür gesorgt hatte der Bückeburger Kurt Freiherr von Plettenberg, Generalbevollmächtigter des Hauses Hohenzollern. Der Schatz, bis dahin im Berliner Dom gelagert, sollte den Alliierten nicht in die Hände fallen. Von Plettenberg gehörte zu den Männern des 20. Juli 1944. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler stürzte er sich im März 1945 aus dem Fenster des Berliner Gestapo-Gefängnisses, um unter der Folter nicht die Namen seiner Kameraden zu verraten.

Hinterlassen hatte der Freiherr eine Aktennotiz mit den Worten „Kirche zu Kleinenbremen – eingemauert“. Vermutlich war er in Sorge, dass nach dem Krieg niemand mehr wissen könnte, wo Preußens Krone liegt. Die Engländer wussten bald Bescheid, obwohl alle Kleinenbremer, die eingeweiht waren (zum Beispiel Pastor Strathmann), geschwiegen hatten wie ein Grab. Im Jahr 1948 nahm Graf Hardenberg, neuer Bevollmächtigter der Hohenzollern, die Krone und weitere Schätze wieder in Empfang.

Expedition ins Grüne: Thomas Sill führt die Gruppe am Mühlenbach entlang.

Foto: ly




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