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Tüxen-Preisträger des Jahres 2018

Wo Ziegenfutter die Natur bedroht

TODENMANN/RINTELN. Alle drei Jahre verleiht die Stadt den mit 5000 Euro dotierten Reinhold-Tüxen-Preis. Auch im Juni wieder. Es ist der weltweit einzige Preis, der ausschließlich an Vegetationswissenschaftler geht. Der diesjährige Preisträger kommt aus Teneriffa. Warum seine Forschung uns alle angeht:

veröffentlicht am 28.12.2017 um 16:57 Uhr

Professor Wolfredo Wildpret de la Torre. Foto: pr
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Hans Weimann Reporter

TODENMANN. Die Verleihung des Reinhold-Tüxen-Preises und das Symposium mit internationalen Wissenschaftlern im Juni nächsten Jahres kann stattfinden. Der Rintelner Rat hat in seiner letzten Sitzung dieses Jahres im November die dafür erforderlichen Gelder im Haushalt bereitgestellt.

Alle drei Jahre verleiht die Stadt den mit 5000 Euro dotierten Preis an einen Wissenschaftler aus den ökologisch-vegetationskundlichen Disziplinen. Es ist, soweit bekannt, der weltweit einzige Preis, der ausschließlich an Vegetationswissenschaftler geht.

Wer den Preis erhalten soll, schlägt die Tüxen-Gesellschaft vor, deren Vorsitzender Professor Dr. Richard Pott aus Hannover ist. Tagung wie Preis sind nach dem Pionier der Pflanzensoziologie benannt, Professor Reinhold Tüxen, der in Todenmann gewohnt und gearbeitet hat.

Der Preisträger im nächsten Jahr, Professor Wildpret, ist in der internationalen Liga dieses exklusiven Zirkels längst weltbekannt und hat zahlreiche Ehrungen erhalten, unter anderem in Deutschland die Ehrendoktorwürde an der Universität Leipzig.

Wildpret, Jahrgang 1933, ist auf Teneriffa geboren, hat in Madrid promoviert, war während seiner Studienzeit mehrfach bei Tüxen in Niedersachsen und publizierte hier über die Vegetation auf der Insel Neuwerk im Wattenmeer.

Wildpret gilt heute als „Spezialist“ für die Kanaren-Botanik und hat zu diesem Thema mehr als 200 wissenschaftliche Schriften veröffentlicht. Der Ordinarius für Geobotanik war unter anderem auch Landesminister für Erziehung und Kultur der autonomen kanarischen Regierung.

Millionen von Touristen besuchen jährlich die Kanarischen Inseln, deshalb könne man hier „wie unter einer Lupe“ die Umweltveränderungen durch Tourismus wie zum Beispiel Wasserknappheit beobachten, sagt Professor Pott. Das wird auch Thema des Symposiums sein, das sich mit „Inselbiogeografie“ beschäftigt. Denn nicht nur auf den Kanaren, sondern auf allen Insel-Archipelen auch in der Karibik, im Pazifik und Indischen Ozean werde die dort heimische Fauna durch eingeschleppte Pflanzen verändert.

So beobachten Wildpret und seine Kollegen mit Sorge, wie sich die Vegetation im Biosphären-Reservat auf den Kanaren anscheinend unaufhaltsam umgestaltet, wie Eukalyptusbäume den Lorbeerwald verdrängen, Opuntien und Agaven sich breitmachen, beide von Menschen eingeführt. Opuntien sind einst als Futter für Ziegen angepflanzt worden. Agaven nutzte man für die Herstellung von Pflanzenfasern. Pott und Wildpret kennen sich seit Jahrzehnten, haben gemeinsam ein Buch über die Natur- und Kulturlandschaften der Kanarischen Inseln veröffentlicht. wm

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