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Kleine Rätsel Schaumburgs: Gibt es in Haste besonders selten gefärbte Rehe?

Woher sie kommen, liegt im Dunkeln

Haste (mld). An sich unterscheiden sie sich nicht von ihren Artgenossen: kein anderer Körperbau, keine andere Nahrung, keine andere Rasse, nichts. Bis natürlich auf den einen großen Unterschied: Diese Rehe haben schwarzes Fell. Weit verbreitet ist das schwarze Rehwild nicht, eher regional verteilt. Und das nur in Deutschland. Und besonders häufig sind sie im Haster Forst anzutreffen. Und das macht sie sogar in Österreich und in Dänemark bekannt.

veröffentlicht am 30.07.2010 um 19:50 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:22 Uhr

Die Frage, die einem bei den schwarzen Rehen aus Haste sofort in den Sinn kommt, können auch Experten nicht beantworten: Warum gibt es gerade hier so viele von ihnen? Über 60 Prozent der Rehwild-Population, sagt der Haster Förster Heiner Wrede, hat schwarzes Fell.

„Dabei ist das Gen für das schwarze Fell rezessiv“, erklärt Wrede. Heißt: Gegenüber dem Gen für rotes Rehfell würde es in der Vererbung eigentlich immer den Kürzeren ziehen. Was die Haster Rehpopulation aber scheinbar nicht kümmert: Die schwarzen Rehe behaupten sich hier.

Das sei, erklären Wrede und der Vertreter der Schaumburger Jägerschaft, Henning Holzhausen, der außerdem das Jagdrevier neben dem Wredes gepachtet hat, auch auf die Jagdpolitik der Vergangenheit zurückzuführen: Vor etwa 30 Jahren, erzählen sie, sei nur rotes Rehwild geschossen, schwarzes – sofern gesund – hingegen geschont worden. Heute sei das anders: „Wir versuchen, den Anteil von rotem und schwarzem Rehwild im richtigen Verhältnis zu halten“, sagt Holzhausen.

Der Besonderheit der schwarzen Rehe sind sie sich aber bewusst: „Wir wollen die schwarzen Rehe erhalten“, sagt Wrede. „Das ist nicht nur eine Frage des materiellen Wertes, sondern auch des kulturellen“, fügt Holzhausen hinzu. Und spricht damit nicht nur das schwarze Rehwild als „Rarität“ (Wrede) an, sondern auch als Einkommensquelle: Schwarzes Rehfell sei teurer als rotes, erzählt Wrede. Und es kämen Jäger eigens aus Österreich oder Dänemark, um schwarze Rehe zu schießen, die sie aus eigenen Revieren nicht kennen.

Gejagt wird allerdings nicht ziellos, sondern im Rahmen: Zwölf Rehe pro hundert Hektar Revier dürfen es sein, rotes und schwarzes Rehwild soll sich die Waage halten, „da muss man ganz genau aufpassen“, weiß Wrede. Auch wenn die schwarzen Rehe „wesentlich gefragter“ seien. In Deutschland treten sie nur regional auf: in der Nordheide etwa und im Kreis Lüchow-Dannenberg – hier liegt das alte Waldgebiet Lucie, das der ehemalige Oberforstmeister aus Haste, Dr. Horst Meyer-Brenken, in seinem Buch „Das schwarze Rehwild“ als „Urstandort“ der Tiere beschreibt. Der „Kernbereich“, sagt Wrede, befinde sich aber im Haster Wald und im westlichen Schaumburger Wald.

Auf diese regionale Besonderheit weist auch das Haster Wappen hin: Das ist zweigeteilt, unten ist das bekannte Schaumburger Nesselblatt zu sehen. Und darüber hinweg springt – na was wohl? – ein Rehbock mit pechschwarzem Fell.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an: (0 57 51) 4000-526.

Ein junger Rehbock mitten in einem Feld: Sein schwarzes Fell ist eine Rarität, die es wohl nur in Deutschland und auch hier nur in bestimmten Regionen gibt. Gerade im Haster Forst scheinen sie sich besonders wohl zu fühlen. Foto: pr.




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