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Wolf bei Eimbeckhausen gesichtet

Eimbeckhausen/Egestorf. Bei Eimbeckhausen, bei Egestorf und bei Böbber haben Jäger und Spaziergänger in den vergangenen Tagen einen Wolf gesehen. Unabhängig voneinander meldeten sie die Sichtung. Besonderes Gewicht bekommt die ohnehin schon spektakuläre erste Beobachtung eines Wolfes im Deister-Sünteltal durch Meldungen aus dem lippischen Sommersell. Dort waren über die Osterfeiertage zwei Risse durch einen Wolf gefilmt und bestätigt worden.

veröffentlicht am 01.04.2016 um 13:30 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:14 Uhr

01. April 2016 13:30 Uhr

Eimbeckhausen/Egestorf. Bei Eimbeckhausen, bei Egestorf und bei Böbber haben Jäger und Spaziergänger in den vergangenen Tagen einen Wolf gesehen. Unabhängig voneinander meldeten sie die Sichtung. Besonderes Gewicht bekommt die ohnehin schon spektakuläre erste Beobachtung eines Wolfes im Deister-Sünteltal durch Meldungen aus dem lippischen Sommersell. Dort waren über die Osterfeiertage zwei Risse durch einen Wolf gefilmt und bestätigt worden.

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„Bei ihrem großen Vermehrungspotenzial ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich die ersten Wölfe im Deister oder Süntel einstellen“, hatte Theo Grüntjens, Leiter der Rheinmetall-Forstverwaltung und Berater des niedersächsischen Umweltministeriums, noch vor einem Jahr in einer Diskussionsrunde vor münderschen Jägern erklärt. Die jüngsten Beobachtungen scheinen ihn zu bestätigen: In Eimbeckhausen hatten Karfreitag zwei Jäger, Vater und Sohn, Gelegenheit, den Wolf genau mit einem Fernglas zu sehen. Er soll sich bis auf rund 200 Meter ihrem Haus genähert haben. Ihre Theorie: Da sie zuvor mit ihrer läufigen Hündin im Deister unterwegs waren, könnte der Wolf durch den Geruch der Hündin angelockt worden sein.

Ebenfalls von Karfreitag stammt auch die Beobachtung von Siegmund Bojtasik. Der Egestorfer war kurz nach 8 Uhr mit seinem Husky Hutch auf einem Feldweg in Höhe der Eimbeckhäuser Biogasanlage unterwegs, als ihm das große Tier voraus auffiel. „Für meinen Vater war sofort klar, dass es sich um einen Wolf handelte“, berichtet sein Sohn Michèl Hubel. Das Tier habe sich eine Weile in sicherem Abstand vor ihm her bewegt, sei dann über eine Wiese gelaufen und außer Sicht gewesen. Michèl Hubel machte sich später mit der Kamera auf die Suche nach dem Wolf, konnte ihn aber nicht entdecken.

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Ein paar Tage zuvor hatte Astrid Brock Gelegenheit, den Wolf zu sehen – beim abendlichen Spaziergang mit ihren Hunden Socke, Schröder und der – läufigen – Hündin Lotte. Sie entdeckte ihn im Licht einer Straßenlampe in Böbber, als er die Straße überquerte. „Ich habe sofort meine Hunde herangerufen“, sagt sie. Als kein Mensch dem großen Tier folgte, habe sie sich in ihrem ersten Eindruck „Das ist ein Wolf“ bestätigt gesehen und ihrem Mann davon berichtet. Angst habe sie nicht gehabt. „Ich habe mich gefreut. Es ist doch toll, wenn der Wolf hier wieder heimisch wird“, sagt sie.

Rund 45 Kilometer Fußmarsch von Eimbeckhausen entfernt in Sommersell bei Barntrup hatte ein Wolf über die Osterfeiertage zwei Zwergziegen gerissen und teilweise aufgefressen. Eine Entfernung, die für einen durchziehenden Wolf durchaus erreichbar ist – bei seinem Vortrag in Bad Münder berichtete Grüntjens von Laufleistungen von bis zu 75 Kilometern pro Nacht. Und auch ein Fluss wie die Weser ist für einen Wolf kein unüberwindbares Hindernis.

Am Dienstag bestätigten Experten des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nach der Auswertung von Videoaufnahmen einer Wildtierkamera, die der Ziegenhalter nach einer ersten Attacke aufgestellt hatte, dass tatsächlich ein Wolf für den Tod der Zwergziegen verantwortlich ist.

Heiko Brede, einer von zwei für den Landkreis Hameln-Pyrmont zuständigen Wolfsberatern des Landes Niedersachsen, rät zu einem sachlichen Umgang mit dem Thema Wolf. „Letztlich ist es ein ganz normales Tier, wenn auch ein Raubtier.“ Zu seinen Aufgaben gehört die Aufklärung, immer wieder ist er mit Ängsten konfrontiert, die die Vorstellung eines Wolfes in heimischen Wäldern bei einigen Menschen hervorruft. Er betont, dass Wölfe potenziell für Menschen nicht gefährlich sind. Von den Sichtungen aus dem Bereich Eimbeckhausen hat er erfahren, über einen Zusammenhang mit dem bei Sommersell gefilmten Tier kann er nur spekulieren – er gehe davon aus, dass es sich bei dem Wolf um ein jüngeres durchziehendes Tier handele. „Auf dem Weg von A nach B ist es natürlich auf Futter angewiesen, und je leichter eine Beute zu erlegen ist, umso eher wird es sie reißen“, sagt er und rät Nutztierhaltern, ihre Gehege wolfssicher zu machen. „Aber grundsätzlich findet ein Wolf in unseren Wäldern genug natürliche Beute, um sich zu ernähren – also Wild“, so Brede.