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Vor Gericht: Hauptfeldwebel soll Frauen beim Bund mit sexistischen Sprüchen belästigt haben

Zechen in der "Hölle", derbe Zoten im Heim

Bückeburg (ly). Alkoholexzesse an der Heeresfliegerwaffenschule und vor allem angebliche sexistische Sprüche beschäftigen jetzt auch das Amtsgericht (siehe Bericht unten). Verantworten muss sich ein früherer Hauptfeldwebel aus Braunschweig, der die Truppe Anfang des Jahres verlassen hat - auf eigenen Wunsch, wie er sagt. "Ich war nicht damit einverstanden, wie mit uns umgegangen wurde", klagt der 35-Jährige. Vorgeworfen werden ihm von der Staatsanwaltschaft die entwürdigende Behandlung Untergebener sowie fahrlässige Körperverletzung.

veröffentlicht am 01.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:20 Uhr

Beim Zechen im Mannschaftsheim der Jäger-Kaserne soll der angetrunkene Mann im März 2005 zwei Soldatinnen recht rüde gefragt haben, ob diese Geschlechtsverkehr wollten. "Oder seid ihr etwas Besseres?" Wiederholt sei das schlimme Wort mit "F" gefallen, heißt es. Länger zurück liegt ein weiterer Vorfall: In der "Hölle", einem Kellerraum auf dem Kasernengelände, den sich Soldaten hergerichtet hatten und für Saufgelage nutzten - mit Kenntnis von Vorgesetzten. Dort soll der Hauptfeldwebel Anfang 2004 beim Trinken leere Bierflaschen in eine Ecke geworfen haben. Dabei sei ein Hauptmann durch Splitter am Auge verletzt worden. Die zwei jungen Frauen, beide im Rang einer Stabsunteroffizierin, sind mit den zotigen Sprüchen erstaunlich souverän umgegangen, wenn sie denn gefallen sind. "Der war doch blau wie 'ne Haubitze", erinnert sich eine 29-Jährige vor Gericht. "Sonst hätte er solche Äußerungen nicht von sich gegeben. Über so etwas beschwere ich mich nicht." Die Soldatin hätte sich allerdings "gewünscht, dass er am nächsten Tag zu uns gekommen wäre, um sich zu entschuldigen". Fehlanzeige. Die 26 Jahre alte Kameradin der Zeugin äußerte sich ähnlich: "Es hat mich genervt und ein bisschen geärgert", sagte sie. Wohl auch deshalb: "Am nächsten Morgen war die Sache Kasernengespräch." Der Angeklagte, zurzeit arbeitslos, weiß eigentlich gar nicht, was er in Bückeburg soll. "Es ist eine Demütigung, dass ich vor Gericht sitze", sagt er. Gesagt haben will der 35-Jährige die fraglichen Sätze nämlich "definitiv nicht, das ist überhaupt nicht meine Art". Es gibt übrigens auch Entlastungszeugen, die im Mannschaftsheim mit am Tisch gesessen haben sollen und nun angeben, die Äußerungen seien nicht gefallen. Als sicher gilt, dass reichlich Alkohol im Spiel war. Ein Rechtsmediziner, vom Amtsgericht als Sachverständiger bestellt, sprach von "Runden-trinken" und nahm sogar das Wort "Sturztrunk" in den Mund. Strafantrag hatten beide Frauen nicht gestellt. Offenbar ist die Bundeswehr der Sache selbst nachgegangen. Schließlich stehen hier Disziplin und Glaubwürdigkeit der Truppe auf dem Spiel. Laut Verteidiger Kirk Johnson läuft das Disziplinarverfahren noch. Der Prozess wird fortgesetzt.




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