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Getümmel wie auf dem Gefechtsfeld / Üppig ausstaffiertes Festprogramm / Bückeburger Hofreitschule entsendet Akteure

Zehntausende feiern Jahrestag der „Schlacht bei Minden“

Minden (bus). Ein Getümmel wie wohl weiland dem vor den städtischen Toren gelegenen Gefechtsfeld ist der Stadt Minden widerfahren. Zum 250. Jahrestag der nach ihr benannten Schlacht strömten die Besucher in Zehntausender-Kohorten in die frühere Festungsstadt. Das üppig ausstaffierte Festprogramm berücksichtigte mehrere Standorte. Selbst das örtliche Bordell wurde nicht ausgespart.

veröffentlicht am 02.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 07:41 Uhr

Das Geschehen verteilte sich auf Simeonsplatz und Preußen-Museum (Empfang der britischen Streitkräfte, Blasmusikschau, offizieller Festakt mit NRW-Ministerpräsident und Schirmherr Dr. Jürgen Rüttgers), Kanzlersweide und Weser (Schlachtszenen und internationaler Brückenschlag), Kleiner Domhof (Barbecue), Großer Domhof (Feuer-Show „Die Schlacht am Mindener Himmel“), Festungsanlage Fort C (Soldatenleben), Obere Altstadt (Handwerker, Händler Reitkunst, Falknerei, geschichtliche Darbietungen), Denkmal Todtenhausen (Jahrestag-Gedenken), Ratskirche St. Marien (Friedensgottesdienst) und eben den Puff (Theateraufführung „Rampenloch spezial“).

Da zudem auf dem Marktplatz die im Rahmen derGourmet-Meile in Szene gesetzte Schlacht ums kalt/warme Buffet tobte, war in der sonst eher zur Beschaulichkeit neigenden Stadt drei Tage lang kein Bein an die Erde zu bekommen. Außer der vor einigen Jahren von der hiesigen Delikatessen-Verköstigung „Bückeburg kocht über“ abgekupferten Feinschmecker-Aktion stellten die Blasmusiker und die in Minden als „Reenactors“ bezeichneten Darsteller geschichtlicher Schlachtszenen eine noch über die ohnehin hohe Magnetwirkung hinaus reichende Anziehungskraft unter Beweis.

Die aus sieben Formationen stammenden 350 Musikanten lockten weit mehr als 5000 auf den Simeonsplatz. In etwa vergleichbare Zahlen (bezogen auf Nachdarsteller und Publikum) erreichten die an der Weser gebotenen Gefechtsbilder. Bemerkenswerten Zuspruchs erfreute sich das Barbecue. Auf dem Kleinen Domhof stellten Vertreter der Bückeburger Gasthäuser „Große Klus“, „Jetenburger Hof“ und „Ratskeller“ die Verpflegung der Gäste sicher. „Klus“-Wirt Harald Strüwe hatte eigens (und per Gabelstapler) einen 330 Kilogramm wiegenden Ochsen herbeischaffen lassen. In der oberen Altstadt heimste die Fürstliche Hofreitschule den Applaus des begeisterten Publikums ein.

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Die Hofreitschule ist dabei.

Ob ein just am Jubiläumstag in einer großen überregionalen Tageszeitung erschienener Bericht über den Befehlshaber der „Schlacht bei Minden“, Herzog Ferdinand von Braunschweig (an dessen Seite dem Schaumburger Grafen Wilhelm wesentlicher Anteil am siegreichen Ausgang der Bataille beikam), vom organisierenden Mindener Marketing lanciert worden war, stand am Wochenende dahin. Der in der Artikelüberschrift als „oberster Hasenfuß“ bezeichnete Kriegsmann habe nur in relativ unbedeutenden Gefechten des Siebenjährigen Krieges brilliert, heißt es dort.

Das pikante Unterfangen, einem mehr als 10 000 Menschenleben kostenden Gemetzel ein etliche Hunderttausend Euro teures Fest zu widmen, hat in Minden nicht nur Wohlgefallen ausgelöst. Abgesehen von grundsätzlich kritischen Stimmen war Klage über zahlreiche Unzulänglichkeiten zu vernehmen. Die Musikparade war zeitweise abgeriegelt, Anwohner monierten die rigide Abschlepppraxis. Dem Festmotto „Forever friends in Europe“ wenig abgewinnen können auch die Mitglieder einer Schaumburger Historiengruppe. Die hierzulande durchaus respektierten Aktivisten waren dem „Reenactor“-Team „zu wenig authentisch“.




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