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Wieder Razzia im Haster Wald: Polizei räumt neues Rumänenlager innerhalb von zwölf Stunden

Zelte der Bettler sind diesmal Fabrikware

Haste (tes). Gut drei Wochen nach dem letzten Platzverweis ist erneut ein geheimes Lager rumänischer Staatsbürger im Haster Wald entdeckt und geräumt worden. Zwölf Stunden nach Meldung durch das Forstamt trafen mehrere Einsatzfahrzeuge mit zehn schwarz gekleideten Polizisten unter der Leitung von Gerhard Schönemann ein, um die Bettler zu vertreiben.

veröffentlicht am 02.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:22 Uhr

Die Einsatzkräfte schleichen auf Trampelpfaden durch die Dämmerung. Förster Heiner Wrede geht voraus und stoppt kurz vor einer großen Blätterwand in direkter Nähe der Bahngleise. Erst auf den zweiten Blick ist der neue Zeltplatz der Rumänen zu erkennen. Zwei Frauen und zwei Männer haben sich ein Lagerfeuer angezündet. Würstchen liegen ebenso bereit wie Tomaten und Gurken. Die Zelte sind diesmal Fabrikware, nicht Marke Eigenbau wie bei ihren Vorgängern.

„Sie haben ihre Tarnung perfektioniert“, konstatierte Schönemann das strategische Geschick der mutmaßlichen Bettlergruppe, die sich tagsüber in den Innenstädten auf Spendensuche begibt. Die 30- bis 46-Jährigen waren dabei gesehen worden, wie sie über die Gleise in den Wald gegangen waren. Daraufhin wurde der Förster informiert.

Es sind andere Personen als beim vergangenen Mal. Sie kommen jedoch aus der gleichen Stadt: Brasov in Siebenbürgen. Alle seien bereits erkennungsdienstlich in Erscheinung getreten. Akut liege keine Anzeige vor, so Schönemann. Ein Fahrrad, das die illegalen Camper zum Abtransport ihrer unzähligen Tüten nutzen, ist bezahlt, wie eine Quittung über 20 Euro beweist. Sie wirken gepflegter als die beiden Männer, die vor drei Wochen im Wald aufgefunden wurden. Erneut diente eine Spiegelscherbe zur Morgentoilette; zwischen zwei Bäumen hängen Kleidungsstücke an einer Wäscheleine. Was das Forstamt am meisten beunruhigt sind die Müllberge. „Beim letzten Mal mussten zehn Kubikmeter Abfall entsorgt werden“, berichtet Verwaltungsdezernent Helmut Backes. Ganz zu schweigen von der Waldbrandgefahr durch offenes Feuer. Später sei ein weiteres verlassenes Lager entdeckt worden – noch vermüllter als die beiden bekannten.

Schönemann präsentiert dem Lagerältesten den Platzverweis und kontrolliert die Personalien. Widerwillig fangen die vier Bewohner an, die Zelte abzubauen. Angeblich besitzen sie zusammen 5 Euro. Zu wenig für Fahrkarten. „Durchsuchen dürfen wir sie diesmal nicht“, so der Einsatzleiter. „Wir gehen davon aus, dass sie noch mehr Geld haben.“ Beim letzten Mal habe die Polizei beobachtet, wie die Rumänen beim Pächter der örtlichen Tankstelle deponiertes Geld abgeholt hätten, berichtet Schönemann.

Anscheinend fokussieren sich die Osteuropäer auf den Haster Wald. „Nirgends in und um Hannover herum haben wir dieses Problem“, betont Backes vom zuständigen Forstamt Fuhrberg. Für ein System spreche die Tatsache, dass alle aus derselben Gegend stammen. Zudem biete Haste direkten Bahnanschluss. Die Polizei begleitet die bepackten Rumänen zum Bahnhof. „Wir haben die aktuell starke Polizeipräsenz in Nenndorf genutzt“, erklärt der Einsatzleiter das große Aufgebot. Ob es ein Wiedersehen geben wird? Schönemann ist darauf vorbereitet. Der Platzverweis auf rumänisch beschleunige den Ablauf ungemein. Eine Vorsorgeklärung habe es nicht gegeben. Die Polizei setze auf überraschenden Zugriff. Vor drei Wochen war die Mehrzahl der Rumänen bereits geflüchtet. Backes plädierte dafür, „Schilder in rumänischer Sprache am Haster Bahnhof anzubringen“.




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