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Unternehmensanleihen bieten höhere Renditen als Bundespapiere, aber das hat seinen Preis

Zinsjäger müssen jederzeit risikobereit sein

Landkreis (oh). Gerade in Zeiten niedriger Marktzinsen suchen viele Sparer nach Möglichkeiten, etwas mehr Zinsen zu kassieren, als zum Beispiel einlagengesichertes Festgeld oder Sparbriefe bieten. Doch mit vergleichbar sicheren Anlagen ist das nicht möglich. So bieten etwa Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von rund drei Jahren derzeit nur eine jährliche Rendite von etwa einem Prozent und damit noch weniger Zinsen als viele Bankanlagen.

veröffentlicht am 07.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:51 Uhr

Höhere Erträge winken dagegen Anlegern, die in festverzinsliche Unternehmensanleihen investieren. Die Palette der Möglichkeiten ist dabei sehr groß: Sie reicht bei den börsennotierten Anleihen von deutschen Firmen wie Metro bis hin zu internationalen Großkonzernen wie Coca-Cola.

Hinzu kommen noch die nicht an den Börsen gehandelten Schuldverschreibungen kleinerer, mittelständischer Unternehmen, bei denen die Anleger häufig mit weit über dem Markt liegenden Jahresrenditen von bis zu neun Prozent gelockt werden. Die Firmen geben diese direkt an interessierte Anleger aus.

Doch wer allein auf die Höhe der Rendite schaut, riskiert für einige Prozentpunkte mehr an Zinsen sein eingesetztes Kapital, warnt die Bank „ING DiBa“. Denn auch bei Unternehmensanleihen gilt die Grundregel der Kapitalanlage: Je höher die in Aussicht gestellte Rendite, umso höher ist das Verlustrisiko.

Konkret: Während Bankguthaben im Fall einer Insolvenz über die Einlagensicherung geschützt sind, gibt es bei Anleihen kein Auffangnetz. Der Anleger gibt nämlich dem herausgebenden Unternehmen einen Kredit. Wird die Firma später zahlungsunfähig und geht in die Insolvenz, muss der Anleihebesitzer sein investiertes Geld zum größten Teil oder gar komplett abschreiben.

Dies ist gerade bei Anleihen von kleineren Unternehmen, die außerhalb der Börse im Direktverkauf angeboten werden, in der Vergangenheit auch schon öfter eingetreten. So haben private Anleger bei den Pleiten der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West und der Düsseldorfer Firma DM-Beteiligungen insgesamt dreistellige Millionenbeträge verloren. Aber auch bei der Insolvenz großer Unternehmen, wie dem Flugzeughersteller Fokker, mussten Anleiheschuldner bereits viel Geld abschreiben.

Wie immer bei einem Kreditgeschäft sollte daher auch bei Unternehmensanleihen die Bonität (Kreditwürdigkeit) des Schuldners ein ganz zentraler Punkt für den Geldgeber sein – in diesem Falle also für den Anleger. Wie gut der Herausgeber einer Anleihe wirtschaftlich aufgestellt ist, lässt sich von Privatanlegern in Eigenregie nicht ermitteln.

Hilfe beim Einschätzen des Risikos bieten die Bonitätsnoten von Ratingagenturen wie „Standard & Poor’s“ oder „Moody’s“, die von „AAA“ für erstklassige Bonität bis zu „C“ für Pleitekandidaten reichen. Vorsichtige Anleger sollten aber nur Zinspapiere mit einer zumindest mittleren Bonität kaufen, raten die Experten. Dies entspricht einer Bewertung von „BBB-“ bei „Standard & Poor’s“ beziehungsweise einer von „Baa3“ bei „Moody’s“. Und wenn ein Unternehmen keine Bonitätseinstufung einer Ratingagentur vorweisen kann, sollte der Privatanleger vom Anleihekauf absehen.

Tipp: Vor allem bei Anleihen oder Schuldverschreibungen von Banken ist darauf zu achten, ob die Forderungen im „Falle eines Falles“ an erster Stelle oder nur nachrangig abgesichert sind. Denn Anleger von Nachranganleihen erhalten ihr Geld erst dann zurück, wenn die Forderungen aller anderen Gläubiger bedient worden sind. Das dadurch deutlich höhere Verlustrisiko lässt sich allerdings in der Regel recht leicht erkennen: Die Geldhäuser zahlen für Nachranganleihen viel höhere Renditen als für ihre normalen Schuldverschreibungen.




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