weather-image
22°
×

Ein Besuch bei Muslimen in der Nachbarschaft

Zu Gast?

Weserbergland. Sie haben deutsche Pässe, bauen Häuser, zahlen Steuern, sind in Vereinen und ehrenamtlich aktiv. Dennoch werden in den letzten Monaten immer wieder Stimmen laut, die unterscheiden: zwischen „wir“ und „ihr“ – zwischen denen, die im sogenannten Abendland das Hausrecht für sich beanspruchen, und denen, die zu Gast sind. „Zu Gast“, das sind die allermeisten der in Hameln-Pyrmont und Schaumburg lebenden Muslime aber eben nicht: „unser“ ist „ihr“ Zuhause, teilweise seit Jahrzehnten. Wiebke Westphal und Philipp Killmann haben fünf Muslime besucht – in keiner Parallelgesellschaft, sondern zu Hause in der Nachbarschaft.

veröffentlicht am 23.01.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 23.01.2015 um 10:32 Uhr

Autor:

3 Bilder
Dilsah und Saffet Özsoy – „Für uns zählt nur der Mensch.“: Rinteln – für Dilsah (64) und Saffet Özsoy (56) gibt es keinen schöneren Ort auf der Welt. Daran ändere auch ihre Wohnung in Istanbul nichts. „Rinteln ist unsere Heimat“, sagt Dilsah Özsoy mit liebenswürdigem Lächeln und legt ihre rechte Hand aufs Herz. Seit 45 Jahren lebt sie in Rinteln, arbeitete zunächst als Haushaltshilfe im damaligen „Waldkater“ und zuletzt für die Stadt als Reinigungskraft. Ihr Mann kam zehn Jahre später in die Weserstadt, arbeitete zuerst als Gärtner und später als Hausmeister in der Prince-Rupert-School. Beide erhielten von ihren Arbeitgebern zum Dank für ihre langjährige Mitarbeit Urkunden, die an den Wohnzimmerwänden hängen. Kennengelernt hatten sich Dilsah und Saffet Özsoy – sie Kurdin, er Türke („Aber das ist egal, für uns zählt nur der Mensch“, betont Dilsah Özsoy.) – in der Türkei, als Dilsah Özsoy dort Urlaub machte. Inzwischen sind sie fast 40 Jahre verheiratet und haben drei erwachsene Kinder: Nilgün, Murat und Serkan. Seit 2002 sind sie deutsche Staatsangehörige. Die Pegida-Demonstrationen bereiten ihnen Sorge, die Terroranschläge von Paris erfüllt das muslimische Paar mit Schmerz. „Wir sind doch alle gleich“, sagt Dilsah Özsoy. „Für uns bedeutet der Islam, freundlich zu sein und Gutes zu tun.“



Anzeige
Anzeige