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Vor Gericht: Jugendstrafe mit Bewährung / 20-Jähriger hat pro Woche ein Kilo Hasch verkauft

Zu stolz: Lieber Drogenhandel als Hartz IV

Bückeburg (ly). Aus falsch verstandenem Stolz ist ein Bückeburger (20) zum Drogenhändler geworden. Über einen Zeitraum von acht Monaten hatte der Heranwachsende jede Woche im großen Stil mindestens ein Kilogramm Haschisch gekauft und in Portionen an seine etwa zehn Stammkunden weitergegeben. Gewinn: insgesamt rund 17 500 Euro - genug für den Lebensunterhalt.

veröffentlicht am 29.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:21 Uhr

"Hartz IV wollte ich nicht annehmen", gab der Arbeitslose jetzt vor dem Bückeburger Jugendschöffengericht als Motiv an. "Und da war es ihnen lieber, mit Drogen zu dealen. Was ist denn das für eine Einstellung?", entfuhr es Richter Dr. Dirk von Behren. Das Urteil: 15 Monate Jugendstrafe auf Bewährung wegen Handels mit Betäubungsmitteln in 29 Fällen. Angesichts der Mengen wurden die Taten als Verbrechen eingestuft. Zu den Bewährungsauflagen gehören 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Als Erwachsener (vor dem Gesetz ab 21) wäre der Angeklagte mit ziemlicher Sicherheit im Gefängnis gelandet. Aufgrund seines Alters und weil so genannte Reifeverzögerungen zumindest nicht auszuschließen sind, kam er jedoch in den Genuss des eher moderaten Jugendstrafrechts, bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht. Aufgeflogen war der Bückeburger, nachdem Kunden ins Visier von Drogenfahndern geraten waren und seinen Namen genannt hatten. Er selbst mochte vor Gericht nicht über Hintermänner reden, wohl aus Angst vor Rache. Wer Dealer hochgehen lässt und zur Aufdeckung von Taten beiträgt, darf nach der Kronzeugenregelung im Betäubungsmittelgesetz auf milde Strafen hoffen oder kommt gar ohne Sanktionen davon. Zu Gunsten des Angeklagten wertete das Gericht vor allem dessen Geständnis. "Handel mit Drogen über diesen Zeitraum und in diesen Mengen hätte man ihm sonst ohne weitere Ermittlungen nicht nachweisen können", erklärte Verteidiger Richard Heller. Begonnen hatte alles in einer Diskothek, wo der Bückeburger "einen Typen kennen gelernt" haben will, der ihn angeworben habe. Bald sollte sich das Geschäft prächtig entwickeln, "es fing klein an und wurde immer größer". Razzien, Festnahmen, Verurteilungen: Irgendwann mag dem 20-Jährigen das recht einträgliche Geschäft zu gefährlich geworden sein. "Mein Mandant hatte bereits mit dem Drogenhandel aufgehört, bevor die Polizei ihm auf den Fersen war", so Heller. Auch wenn man bei einer Hausdurchsuchung nichts gefunden hatte: Eines Tages stellte sich der Bückeburger und machte reinen Tisch.




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