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2030 laut Prognose nur noch 18 024 Einwohner – wie reagiert Bückeburg auf die Entwicklung?

Zu viel Bauland für bald zu wenig Einwohner

Bückeburg (rc). Wie entwickelt sich die Stadt weiter? Diese Frage wird derzeit in Politik und Verwaltung heiß diskutiert, nicht nur bei der Debatte rund um das Einzelhandelsgutachten, das noch im September vom Rat beschlossen werden soll. Sondern auch die Frage wie die Stadt künftig ihre Flächen nutzt.

veröffentlicht am 25.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:41 Uhr

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55 Hektar zu bebauende Flächen hat die Stadt Bückeburg derzeit in ihrem Flächennutzungsplan beziehungsweise der Neuauflage des Plans, der seit 2006 beraten wird, ausgewiesen. „Flächen, die wir nie wieder brauchen werden“, sind sich Politik und Verwaltung wie neulich in einer Sitzung des Bau- und Umweltausschusses einig. Denn angesichts der demografischen Entwicklung wird so viel Wohnraum und damit so viele Bauflächen nicht mehr benötigt.

Trifft die Prognose zur Bevölkerungsentwicklung zu, dann wird Bückeburg im Jahr 2030 nur noch 18 024 Einwohner haben, derzeit sind es rund 20 500. Mithin also ein Minus von fast 2500 Einwohnern. Zwar ist der Pro-Kopf-Wohnraumbedarf in den vergangenen Jahren bundesweit von 17 auf inzwischen 46 Quadratmeter gestiegen. Aber angesichts der zunehmenden Überalterung auch der Bückeburger Bevölkerung werden immer mehr Wohnungen und Wohnhäuser auf den Markt kommen. Rechnet man den heutigen Wohnraumbedarf hoch mit dem Rückgang der Bevölkerung gegen, dann hat Bückeburg im Jahr 2030 rund 115 000 Quadratmeter Wohnraum zu viel. Rein statistisch jedenfalls. Denn auf der anderen Seite werden weiter größere Wohnungen benötigt, da durch die älter werdende Bevölkerung der Wohnraumbedarf steigt. Oder aber Singles und ältere Ehepaare nach dem Auszug der Kinder die gleiche Wohnfläche behalten wie vorher. Experten rechnen damit, dass trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen bundesweit der Wohnraumbedarf bis 2020 noch steigen wird. Warum also noch neu bauen?

Eine Frage, die Baubereichsleiter Jörg Klostermann mit Verweis auf die Experten begegnet. Und damit, dass in der Kernstadt nach wie vor Bedarf nach Neubauflächen besteht – und weiter bestehen wird. Mit insgesamt 20 Neubauten rechnet er in den kommenden zwei Jahren. „Ein kleines innenstadtnahes Neubaugebiet könnte noch verwirklicht werden.“

Innenstadtnah ist ohnehin derzeit das, was potenzielle Bauherren und Hauskäufer nachfragen, wie Klostermann aus Anfragen berichtet, die an die Stadt gehen. Den Ortsteilen wollen er und die Politik in den kommenden Jahren nur noch kleinere Baugebiete oder Bauflächen ausweisen, die der Eigenentwicklung dienen. In der Innenstadt sollen es vor allen Dingen die Baulücken richten, auch nachdem in den vergangenen Monaten mehrere Verhandlungen um Flächen, um innenstadtnahe Wohngebiete ausweisen zu können, geplatzt oder wegen der mangelnden Gesprächsbereitschaft der Eigentümer auf Eis gelegt worden sind (Bericht unten).

In den vergangenen Jahren ist ein Baulückenkataster erstellt worden, außerdem wurde eine Anfrage an die Eigentümer gestellt, ob sie bereit wären, zu verkaufen. 318 antworteten mit Ja. 140 dieser Baulücken oder bebaubaren Flächen liegen in der Innenstadt, 50 oder 60 allein im Baugebiet Sprekelsholzkamp, wie Klostermann jüngst im Bauausschuss sagte.

Wo sich angesichts dieser Aussagen eine muntere Diskussion über das Für und Wider von weiteren Bauflächen entspann. „Angesichts der dargestellten Bevölkerungsentwicklung brauchen wir die ausgewiesenen Flächen nie“, merkte der Ausschussvorsitzende Bernd Insinger (SPD) an. Cornelia Laasch (Bündnis90/Die Grünen) sagte, dass es gut sei, wenn weniger Fläche verbraucht und versiegelt würde. Albert Brüggemann (SPD) wies darauf hin, dass mit der für 2018 geplanten Schließung der Jägerkaserne eine sehr große innenstadtnahe Fläche frei wird: „Da kommt ein Riesenbrocken auf uns zu“. Und Ratsherr Wolfhard Müller (SPD) forderte, dass das bereits ausgewiesene Baugebiet Sprekelsholzkamp II angesichts der äußerst schleppenden Entwicklung in Sprekelsholzkamp I komplett aufgehoben wird.

Schlussendlich einigte sich der Ausschuss darauf, dass die Verwaltung bis Ende des Jahres ein Konzept entwickelt und der Politik vorlegt, wie viel und welche der ausgewiesenen 55 Hektar Bauland komplett aus dem Flächennutzungsplan gestrichen werden können. „Ruhig sehr großzügig und mehr als zehn Prozent“ umriss Insinger die Vorgaben. Um diesen Vorgaben dann auch noch etwas Gutes abzugewinnen: „Eine solche Reduzierung kann auch ein Signal für die Grundstücksbesitzer sein, ihre Flächen zu verkaufen. Denn wenn die Flächen erst einmal heraus sind aus den Plänen, ist der Zug abgefahren.“

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