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„Fantastisch, nicht authentisch“ – seit 15 Jahren „Spectaculum“ auf der Mausoleumswiese

Zum Jubiläum kommen viele alte Bekannte

Von Johannes Pietsch

veröffentlicht am 12.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:21 Uhr

Bückeburg. Offiziell bietet das große Mittelalter-Phantasie-Spectaculum seinen Tausenden von Besuchern stets eine Zeitreise in die finsteren Gefilde des späten Mittelalters. Doch die Auflage 2010 war zugleich eine Reise durch 15 Jahre Spectaculum in Bückeburg. Was einmal im Sommer 1996 mit nur ein paar Gauklern und Artisten sowie einem Markt und einigen Heerlagergruppen auf der Mausoleumswiese begann und damals in vielerlei Hinsicht noch geradezu experimentell daherkam, hat sich mittlerweile zum weltweit größten reisenden Mittelalter-Kulturfestival gemausert. So manchen Künstler hat das Spectaculum in diesen anderthalb Jahrzehnten kommen und gehen gesehen, doch mit vielen gab es jetzt im Rahmen des fulminanten Jubiläumsprogramms ein Wiedersehen.

So traten mit dem kultisch verehrten Stelzentheater Feuervogel, dem eselsohrigen Possenreißer Hajo Dreyfuß oder dem Fakirduo Rafftan alias Harald und Dagmar Thran einige Spectaculums-Künstler der ersten Stunde auf. Auch die frenetisch gefeierte Mittelalterband Saltatio Mortis gehört seit neun Jahren zum Stammpersonal der Großveranstaltung und kann dabei selbst in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern.

Sechs Bühnen und allein acht Mittelalter-Bands am ersten Veranstaltungs-Samstag: Schon diese beiden Zahlen zeigen, wie gewaltig das Spectaculum in den vergangenen 15 Jahren gewachsen ist und sich vom historischen, gauklerumkränzten Markt zum ganz großen Festival mit Magnetwirkung auf die Mittelalter- und Gothic-Szene in ganz Deutschland gewandelt hat. Im Zuge dieser Entwicklung mag die eine oder andere historische Detailtreue, auf die man früher zu Zeiten eines Herolds Johannes „Fogelvrei“ Faget vielleicht noch etwas mehr Wert legte, auf der Strecke geblieben sein, doch das nimmt man bewusst in Kauf. Nicht zuletzt wirbt das Spectaculum mit dem Slogan „Fantastisch, nicht authentisch“.

Stammbesucher dürften sich in diesem Jahr allerdings bei der räumlichen Aufteilung des Geländes mehr als einmal die Augen gerieben haben: War die große Traumspektakelbühne in den vergangenen 14 Jahren wie ein unverrückbarer Fels in der Brandung der vielfältigen Veränderungen stets auf der stadtzugewandten Wiesenseite vor dem Mausoleum zu finden, so hat sie in diesem Jahr erstmals ihren Stammplatz verlassen und weit westlich des Mausoleumswäldchens einen neuen Standort mit Spielrichtung zum Wesergebirge gefunden. Auch viele Stände des Mittelaltermarkts gruppieren sich in diesem Jahr um die drei dortigen Großbühnen.

Im Gegenzug kehrte eine Vielzahl von Heerlagergruppen aus der Diaspora von Jenseits des Wäldchens auf die Mausoleumswiese zurück. Eine Entscheidung, die den Veranstaltern sicherlich nicht leicht fiel, aber ihre Gründe hatte: „Wir wollten die großen, lauten Musik- und Künstlerbühnen jenseits des Waldes konzentrieren, um mehr Platz für das Publikum zu haben und die Beeinträchtigung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten“, erklärte Pressesprecher Ede Ball. „Dafür haben wir vor dem Mausoleum die stilleren Marktanteile und die kleineren Gauklerbühnen versammelt.“

Nicht nur laut, sondern vor allem enorm hell und heiß fiel zum Jubiläum das Traumspektakel aus. Das große Künstlervarieté am späten Samstagabend mündete in einen wahrhaft gigantischen Flammenzauber, den das Fakirduo Rafftan, das Feuer-Duo Spiral Fire und das Stelzentheater Feuervogel gemeinsam entfesselten und das von den meterhohen Flammensäulen des Feuerkünstlers Sir Henry Hot gekrönt wurde.

Wer es verpasst hat: Am kommenden Samstag und Sonntag geht das Spectaculum in die zweite Runde in Bückeburg.




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