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Zur Sache

Radwanderer aus Frankfurt waren es, die vor Jahresfristüber den Gedenkstein am Kollegienplatz stolperten und so eine öffentliche Diskussion über dessen Zukunft in Gang brachten. Auf Antrag der WGS hat sich der Rintelner Rat am vergangenen Donnerstag grundsätzlich mit dem Thema Gedenkkultur auseinandergesetzt. Bei zwei Enthaltungen nahmen die Ratsmitglieder dabei einstimmig die Sachdarstellung der Verwaltung zur Kenntnis: Demnach soll bei einer Entscheidung über die Umgestaltung von Denkmalen ein Beschluss im Verwaltungsausschuss im Einvernehmen mit dem jeweils zuständigen Ortsrat ausreichend sein. Mehrheitlich abgelehnt worden war zuvor derweitergehende WGS-Antrag, der diese Entscheidung dem Rat vorbehalten wollte.

veröffentlicht am 15.07.2008 um 00:00 Uhr

Eine Diskussion imöffentlich tagenden Rat statt im Verwaltungsausschuss (VA) hinter verschlossenen Türen hatte Antje Rinne in ihrem Antrag für die WGS gefordert. Damit alle Rintelner die Möglichkeit hätten, sich mit der Gedenkkultur auseinanderzusetzen, sah Rinne die Politik in einer "Bringschuld" der Bevölkerung gegenüber: "Das ist unsere besondere Vorbildfunktion in der Auseinandersetzung mit unserer oft unbequemen Vergangenheit." Auch WGS-Fraktionschef Gert Armin Neuhäuser plädierte für eine öffentliche Diskussion: "Eine Sache, die eine solche Geschichte hat, darf nicht klammheimlich verändert werden." Einmütig plädierten die Ratsmitglieder dafür, den Gedenkstein am Kollegienplatz zu erhalten und nicht abzuändern. Hierzu hatte der Landkreis Schaumburg als Eigentümer mitgeteilt, dass sich das Gymnasium Ernestinum im Rahmen eines Geschichtsprojekts - eventuell gemeinsam mit anderen Rintelner Schulen - der Aufarbeitung des Themas widmen will. Dieses Ergebnis soll zunächst abgewartet werden. Eine solche erläuternde Hinweistafel halten die Ratsmitglieder für den richtigen Weg im Umgang mit dem Gedenkstein. Der Stein sei wie jedes Denkmal ein "Zeitzeuge" und unter Berücksichtigung der Geisteshaltung einer bestimmten Epoche zu bewerten, sagte Günther Maack (CDU): "Es wird der Sache nicht gerecht, wenn wir ihn nachträglich verändern." Für eine erläuternde Tafel plädierten auch SPD-Fraktionschef Klaus Wißmann und Ursula Helmhold (Grüne), die sich strikt gegen das Entfernen des Steins positionierte: "Das wäre ein Kennzeichen eines totalitären Regimes, missliebige Sachen einfach zu entfernen." CDU-Fraktionschef Ulrich Goebel mahnte vor dem Hintergrund der erregten Gedenkstein-Diskussion zu einer gleichermaßen selbstbewussteren wie zurückhaltenderen Art der Stadt im Umgang mit ihren Denkmälern: "Wenn Frankfurter Wandervögel ihre Schnäbel daran wetzen, sollten wir nicht gleich so durcheinander werden." crs Gedenkstein Thema im Rat: Schülerprojekt soll Tafel erarbeiten




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