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Wie weiter am Kollegienplatz? Schule, Wohnen, Einkaufen? Nach den Wahlen ist alles wieder offen

Zurück in die Zukunft

veröffentlicht am 18.10.2016 um 17:13 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:34 Uhr

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Von Hans Weimann

RINTELN. Es wird wohl das große kommunalpolitische Thema im nächsten Jahr: Wie soll der Kollegienplatz in Zukunft aussehen? Die Weichen sind gestellt: Die IGS zieht an die Burgfeldsweide um, dort soll neu gebaut werden. Noch vor den Kommunalwahlen schien die Zielrichtung der Planungen klar: Supermarkt und Wohnen sollten am Kollegienplatz realisiert werden. Mit den veränderten Mehrheiten im Rat nach den Wahlen ist alles wieder offen.

Stand der Dinge, sicher nur eine Momentaufnahme: SPD wie WGS halten am Konzept Supermarkt fest. CDU, Grüne und FDP wollen den Kollegienplatz als Schulstandort beibehalten – auch eine Verbeugung vor der Tradition. 1621 sei hier die Universität gegründet worden, 400 Jahre Schulgeschichte erforderten Respekt. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Wehrung, Christoph Ochs (Grüne) sowie Dr. Ralf Kirstan (FDP) formulierten das nahezu wortgleich.

Doch wer hier wen nach dem Auszug der IGS in dem historischen Gebäude künftig unterrichten soll, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Die CDU schlägt einen Umzug der Grundschule Süd an den Kollegienplatz vor. Kirstan kann sich hier auch eine andere Bildungseinrichtung vorstellen. Angeblich bereits im Gespräch: die Blindow-Schulen. Und als Grüner macht sich Ochs auch Sorgen um den Bioladen in der Klosterstraße, um „Nah und gut“ Hoppe in der Brennerstraße und um WEZ in der Detmolder Straße. Eine pauschale Einschätzung, die man hinterfragen könnte.

Konkurrenz für den Bioladen sind da wohl eher die Hofläden in Engern, Krankenhagen, Exten und Uchtdorf. WEZ hat selbst Interesse, an den Kollegienplatz zu ziehen, weil eine Erweiterung am derzeitigen Standort mangels Grundstück gescheitert sei, ist aus gut informierten Kreisen zu hören.

Die SPD hält am Konzept Supermarkt plus Wohnen fest und stützt sich hier auf die Aussagen der Gutachter von CIMA und IHK, die einen Bedarf für einen Supermarkt im Süden der Fußgängerzone sehen. Das war nicht zuletzt auch die Idee des „Klosterkarrees“ von Planer Werner Muntau, das der Rat mehrheitlich beschlossen hatte. 2008 sollte der erste Spatenstich erfolgen. Eine Planung, die aus unterschiedlichen Gründen gescheitert ist.

Und es gibt noch eine Überlegung, warum Wohnen plus Einkaufen kompatibel ist, sagt SPD-Stadtverbandsvorsitzender Bernd Wübker. Wenn in der Innenstadt mehr junge Familien und/oder Senioren wohnen sollen, müssen die auch in der Innenstadt einkaufen können. Bei jungen Familien reicht das Einkommen meist nicht für einen Zweitwagen, wenn Mann oder Frau zum Arbeitsplatz pendeln muss. Senioren sind oft nicht mehr mobil.

Auch für Dr. Gert Armin Neuhäuser (WGS) ist klar: „In den letzten Jahren haben alle Ratsfraktionen einhellig betont, dass in der Innenstadt ein Nahversorger fehlt. Jetzt gibt es die einmalige Chance, in der Innenstadt auch Gewerbeflächen zu entwickeln. Daraus folgt: Gewerbeflächen haben hier meines Erachtens Priorität. Und da das historische Ensemble aus Jakobikirche, Schulgebäude, Direktorenhaus, Rathaus und Museum nicht eingekesselt und einbetoniert werden kann und soll, gibt die Relation aus Fläche und Denkmalschutz die Richtung vor“. In der Diskussion war auch zu hören: Vielleicht hat der Rat ja sogar den Mut, größer zu denken. Das bedeutet, das zu überplanende Areal auf das Rathausgelände auszudehnen, ein Konzept zu wagen, wie es der Bau der Ostumgehung und der Fußgängerzone war? Der Plattenbau der ehemaligen Kreisverwaltung beispielsweise ist sicher kein städtebauliches Juwel. Es sei denn Denkmalschützer kommen auf die Idee, auch Plattenbauten seien relevante Zeugen der Vergangenheit. Oder der Pavillon. Möglich ist alles.

Doch hier ist Neuhäuser skeptisch: „Man sollte sich davor hüten, größenwahnsinnig zu werden: Das Gebäude Klosterstraße 20 abzureißen und neu zu bauen, ist aus meiner Sicht städtebaulich und finanziell unsinnig. Investorenmodelle mögen hier kurzfristig reizvoll sein, müssen aber immer den Gewinn des Investors mit erwirtschaften. Allenfalls die Wichtelburg könnte man in eine größere Planung einbeziehen“.

Ein „Nahversorger“ in der Stadt hat bisher alle überlebt: Hoppe in der Brennerstraße, seit rund 100 Jahren gibt es hier ein Geschäft. Deshalb hat Theo Milonas, Inhaber von „Nah und gut“, zu diesem Thema seine ganz eigene Meinung. Milonas zählt auf: „HL, Plus, Penny, Aldi, Coop, Depot. Alle verschwunden.“ Dann die kleinen Geschäfte wie Gödecke am Markt, Schnittger, Böndel. Längst Geschichte. Nur „Nah und gut“ ist noch da.

Dass er selbst von einer so nahen Konkurrenz am Kollegienplatz nicht begeistert wäre, versteht sich ohnehin von selbst. Das Geschäft sei schließlich nicht einfacher geworden.

Dabei kann er sich auf treue Kunden stützen. Milonas sagt: „Auf 220 Quadratmetern findet man bei mir alles, was man für den täglichen Bedarf braucht, Obst und Gemüse, Getränke, Tiefkühlware, Kühlprodukte, Hygieneartikel.“ Lediglich Fleisch habe er mit Rücksicht auf die Fleischereien im Ort nicht im Angebot.

Milonas ist ohne Zweifel längst eine Institution in dieser Stadt, auch weil sein Geschäft als Nachrichtenbörse für die Altstadt fungiert.

Und viele kennen ihn noch aus den Zeiten, als er auch noch einen kleinen Laden am Doktorsee betrieben hat. 1965 kam er als Tourist mit 23 Jahren in die Stadt, ist 1966 mit in das Geschäft „Hoppe“ eingestiegen.

„Den Nahversorger Hoppe wird es auch in 20 Jahren noch geben“, sagt Milonas. Wenn er irgendwann einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin finde. Doch noch sei er da – und fit.




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