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Stadtkirche wird noch dieses Jahr für 1,62 Millionen Euro saniert – Bund und Land geben Zuschuss

Zwei Jahre wird die Fassade verhängt sein

Bückeburg (rc). Die Bückeburger müssen sich darauf einstellen, dass eines ihrer bedeutendsten Baudenkmäler für knapp zwei Jahre hinter Planen und Gerüsten verschwinden wird: die Stadtkirche. Bereits im August soll die Sanierung der Fassade beginnen. Pünktlich zum 400. Jahrestag der Einweihung am Sonntag vor Pfingsten soll 2015 das Projekt beendet sein.

veröffentlicht am 06.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:41 Uhr

Rund 1,62 Millionen Euro sind veranschlagt. Eine Summe, die die Stadtkirchengemeinde als Eigentümerin der Kirche nicht aufbringen kann. Und weswegen sie auf die tatkräftige Unterstützung der Landeskirche angewiesen ist. In den vergangenen Monaten haben daher Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke und Helmut Meier vom Bauamt der Landeskirche zahlreiche Gespräche vor allem mit dem niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege geführt, um an die Fördertöpfe des Landes und des Bundes zu kommen. Notwendige Vorabentscheidungen liegen vor, dass die Stadtkirche ein „Denkmal von nationaler Bedeutung“ ist – die Voraussetzung, dass überhaupt Zuschüsse fließen können. Im Mai werden Bundeskabinett und Landesregierung über die notwendige Freigabe der Mittel von zusammen einer Million Euro abschließend entscheiden. „Vorabentscheidungen gibt es, dass die Stadtkirche anerkannt wird. Im Mai wissen wir mehr, dann legen wir los“, sagte der Landesbischof in einem Pressegespräch.

Weitere Zuschüsse sollen von der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung (50 000 Euro) oder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (155 000 Euro) kommen. 45 000 Euro hat die Stadt Bückeburg als Zuschuss bereits im Haushalt 2013 verankert. Der Bischof: „Dafür sind wir sehr dankbar.“ Weitere Stiftungen sollen noch auf das Sanierungsgerüst geholt werden. Mit ihnen will der Landesbischof vertiefende Gespräche führen, wenn die endgültigen Entscheidungen aus Berlin und Hannover vorliegen.

Denn: Würden nicht weitere Stiftungsgelder locker gemacht, würde sich der Sanierungs-Anteil der Stadtkirchengemeinde auf 370 000 Euro belaufen. Geld, das die Gemeinde nicht hat oder nur mit tatkräftiger Unterstützung der Landeskirche aufbringen könnte, die finanziell auch nicht gerade auf Rosen gebettet ist.

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Die Inschrift ist nicht mehr im besten Zustand.

Um überhaupt Förderanträge stellen zu können, sind in den vergangenen Monaten umfangreiche Analysen und Gutachten erstellt worden. Die gesamte Fassade, gebaut aus Obernkirchener Sandstein, wurde Stein für Stein fotografiert und gezeichnet, jeder einzelne Riss, Abplatzung oder fehlendes Ornament katalogisiert (wir berichteten). Von einem Gerüst wurden Teile der Fassade in Augenschein genommen, die Schäden aus Nahdistanz begutachtet. Die Federführung hat dabei das Ingenieurbüro Bergmann aus Pfaffenhofen, ein bundesweit anerkannter Spezialist, der zum Beispiel bereits auch bei der Sanierung des Mausoleums in Stadthagen tätig war. Diese Vorarbeiten haben bereits eine Summe von 70 000 Euro verschlungen. Aber: „Ohne diese Vorarbeiten hätten keine Förderanträge gestellt werden können.“

Bei den Vorarbeiten kam heraus, dass der Obernkirchener Sandstein in der Oberfläche „gewisse Schäden“ aufweist, aber nicht großflächig zerstört ist. Insgesamt aber besteht „dringender Handlungsbedarf“, die facettenreiche Fassade zu sanieren, gab Helmut Meier die Ergebnisse wieder. Abgefallene Teile wie etwa der Palmwedel des Engels über dem Hauptportal, der derzeit in der Sakristei gelagert ist, werden wieder montiert. Insgesamt aber gehe es darum, den Status zu sichern und keine Rekonstruktionen fehlender Teile zu machen, betonte er: „Die Fassade wird ihre Patina behalten, der Sandstein nicht sandgestrahlt und anschließend nicht hell leuchten.“ Auch eine Grundreinigung ist geplant. Erst dann wird sich das abschließende Schadensbild mit all seinen Rissen und Abplatzungen zeigen.

Bei der Aufnahme der Statik stellte sich heraus, dass es damit keine Probleme gibt. Eine Verfestigung des Fundaments in den sechziger Jahren habe Wirkung gezeigt. Der unsichere Grund – Treibsand – war übrigens vor knapp 400 Jahren der Grund, warum der ursprünglich geplante und heute noch im Inneren erkennbare Kirchturm nicht gebaut werden konnte und der Baumeister, der Hildesheimer Bildhauer Hans Wolf, auf Geheiß des Bauherrn, des Fürsten Ernst, die einzigartige Fassade der Weserrenaissance mit typischen Hinweisen auf frühbarocke Gestaltungsformen entwarf. Den Rest der Steine wurden zum Bau der Alten Lateinschule verwendet, der heutigen Stadtbücherei in der Schulstraße. Die Stadtkirche gilt als erster evangelischer Kirchenbau nördlich des Mains.

Sanierungsbeginn soll nach dem „sportlichen Zeitplan“ im August dieses Jahres sein. Im Frühjahr 2015 soll alles fertig sein, um den 400. Geburtstag der Stadtkirche, die am Sonntag vor Pfingsten 1615 geweiht wurde, gebührend zu feiern. Die gesamte Fassade und einige Meter der Seitenbereiche werden eingerüstet und mit Planen verhängt. Der Zugang zur Kirche wird durch das Hauptportal durch einen Tunnel möglich sein. Teile des Bürgersteigs vor der Kirche müssen mit einbezogen werden. Der Durchgang zwischen Stadtkirche und ehemaligen Tedi-Markt – dort, wo das Herder-Denkmal steht – wird gesperrt und als Lagerplatz und Abstellbereich für die Baufahrzeuge genutzt.

Wie Manzke sagt, soll bei der Vergabe der Aufträge das heimische Handwerk zum Zuge kommen. Aufgrund der Bausumme und dem Erhalt öffentlicher Zuschüsse müsse das Bauvorhaben aber bundesweit ausgeschrieben werden, aber nicht europaweit.

Die Stadtkirchengemeinde will im Inneren des Gotteshauses ebenfalls aktiv werden und Verschönerungen durchführen. Was exakt gemacht wird, soll ein extra dafür eingesetzter Ausschuss klären, der sich auch um die Finanzierung kümmern will. Das teilte Pastor Dr. Wieland Kastning mit.




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