weather-image
25°
×

Vor Gericht: Haarscharf an Haft vorbei, obwohl noch zwei Bewährungsstrafen ausstehen

Zwei Mitarbeiter im Clinch mit Ladendieb

Bückeburg (ly). Spielhallen ziehen einen Rintelner magisch an. Bei einem Ladendiebstahl in Bückeburg hat der 26-Jährige auch noch die Zukunft seiner kleinen Familie aufs Spiel gesetzt. Obwohl er für ein Kind sorgen musste und zweifach unter Bewährung stand, ließ der damals Arbeitslose aus einem Supermarkt Grillfleisch und Kosmetika mitgehen. Gesamtwert der Beute: 38 Euro.

veröffentlicht am 13.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:21 Uhr

Nun kommt eine dritte Bewährung hinzu, denn das Schöffengericht in Bückeburg hat zwar eine Freiheitsstrafe von vier Monaten verhängt, deren Vollstreckung aber zunächst ausgesetzt. Richter Dr. Dirk von Behren sprach von einem „Glückstag“ für den Angeklagten. So habe sich räuberischer Diebstahl, der Vorwurf in der Anklage, nicht nachweisen lassen. Dies ist ein Verbrechen, für das der Rintelner (elf Vorstrafen) wohl ins Gefängnis gewandert wäre.

Ursprünglich war Staatsanwalt André Lüth in seiner Anklageschrift davon ausgegangen, dass der Ladendieb und zwei Mitarbeiter des Supermarktes nach kurzer Flucht des Täters um das Diebesgut gerangelt haben, bis alle drei am Boden lagen. Einen Kampf konnten beide Zeugen bestätigen, nicht jedoch ein Ringen um die Beute. Es sieht eher so aus, als habe der 26-Jährige den Karton abgestellt, um flüchten zu können. Juristisch ist das „nur“ ein einfacher Diebstahl.

Den selbst befüllten Karton hatte der Rintelner in einem Regal am hinteren Ausgang des Verbrauchermarktes versteckt, um ihn später abzuholen. Das Motiv: Er wollte für den Geburtstag seiner Lebensgefährtin einkaufen, hatte das letzte Geld aber kurz zuvor verspielt.

Von Glück reden darf der Angeklagte auch, weil ihm das Gericht noch einmal Bewährung zugebilligt hat. Dafür sprach vor allem die günstige Sozialprognose. Der 26-Jährige hat beruflich Fuß gefasst, lebt auch privat in geordneten Verhältnissen und wird von seiner Bewährungshelferin gelobt. „All das“, so Richter von Behren, „wollen wir ihm nicht kaputtmachen.“

Bis zum Rückfall alles im Griff

Bis zum Rückfall schien es, als habe der Rintelner einen Schlussstrich unter seine Vergangenheit gezogen. Vor knapp fünf Jahren hatte das Landgericht den Angeklagten zu vier Jahren Haft verurteilt, die zwischenzeitlich verbüßt sind. Als Mitglied einer siebenköpfigen Jugendbande (91 Straftaten) gingen allein auf sein Konto 40 Diebstähle sowie vier Fälle von Betrug. Der Süchtige brauchte damals Geld für Rauschgift. Heute sagt er: „Ich nehme keine Drogen mehr.“

Im Gefängnis machte der Häftling eine Lehre. Heute ist er Chef von mehreren Leuten. „Das hat alles Hand und Fuß“, meint Verteidiger Gunter Mücke. Bloß straffällig darf der 26-Jährige nicht wieder werden, denn dann droht außer einer Haftstrafe der Widerruf mehrerer Bewährungen. „Wenn Sie auch nur ein Kaugummi für 50 Cent klauen, fahren Sie ein“, warnt ihn Richter von Behren vor.

Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, ist die Strafe mit 400 Euro Geldbuße verbunden.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige