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Kleinenbremer Rennofen-Tage vom 30. Juli bis 1. August / Teams aus ganz Deutschland sind dabei

Zwei Tonnen Erz für die gefräßigen Öfen

Kleinenbremen (ly). Der Nachschub ist gesichert: Zwei Tonnen Eisenerz haben sieben Schmiede kürzlich aus dem Besucherbergwerk gefördert. Bei den 3. Kleinenbremer Rennofen-Tagen vom 30. Juli bis 1. August werden damit bis zu neun Öfen zum Glühen gebracht.

veröffentlicht am 24.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 08:21 Uhr

Die Reise in die Eisenzeit fällt diesmal eine Nummer größer aus. Erwartet werden Ofenbauer aus ganz Deutschland, „von Flensburg bis Aschaffenburg“, so Volker Mundhenke aus der Mitmach-Schmiede (zehn Aktive) von Besucherbergwerk und Museum. Die etwa 20 Auswärtigen bilden fünf Teams, das Sechste die Kleinenbremer.

Gastgeber sind 17 Teilnehmer des dritten Jugendcamps, das gleichzeitig läuft. Die Sieben- bis 16-Jährigen wollen sich mit zwei selbstgebauten Öfen beteiligen. Mundhenke hofft, dass die jährlichen Rennofen-Tage im Steinbruch, Rintelner Straße 396, zur festen Größe für Schmiede und Metallbearbeiter werden.

Und für Fans von uraltem Handwerk: Vom achten Jahrhundert vor Christi Geburt bis vor etwa 250 Jahren, als die ersten Hochöfen entstanden, war Eisengewinnung im Rennofen in Mitteleuropa sozusagen Stand der Technik. Mundhenke: „Wir wollen verdeutlichen, wie schwer es damals war, auch nur eine Handvoll Eisen zu gewinnen und daraus Dinge herzustellen, deren Wert man heute überhaupt nicht mehr zu schätzen weiß.“ Zum Beispiel einen Meißel, mit dem dann in der stillgelegten Grube wieder Eisenerz abgebaut wird. So schließt sich der Kreis.

Zum Teil werden die Rennöfen aus Lehm und Ziegeln gebaut, zum Teil aus Lehm, Stroh und Weidenruten. Rund 1700 Ziegelsteine von einem abgerissenen Bauernhof liegen bereit. An Lehm werden vier Tonnen gebraucht. Damit das Feuer nicht erlischt, muss es ständig mit Eisenerz und Holzkohle gefüttert werden. Von Letzterer liefert ein Lkw-Fahrer am Montag etwa 1,2 Tonnen an.

Irgendwann schlagen dann die Flammen oben aus dem Rennofen, während bei Temperaturen um 1200 Grad Celsius durch ein Loch die Schlacke abläuft. Wenn die Zeit nach vielleicht zwölf Stunden reif ist, wird der Ofen kurz und klein geschlagen, um an den begehrten Eisenschwamm zu kommen. Aus dieser Luppe werden dann Gebrauchsgegenstände geschmiedet.

Zuschauer sind von Freitagmittag bis Sonntag, 1. August, wenn die Rennofen-Tage gegen 16 Uhr enden, stets willkommen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. „Besucher bekommen die Möglichkeit, selbst zu schmieden“, verspricht Mundhenke.

Mit von der Partie sind außerdem Schmied Andreas Esau, der Hufbeschlag zeigt, sowie eine Schar Ritter. „Die Rennofen-Tage sind aber keine Ritter-, sondern eine Handwerksveranstaltung“, warnt der Leiter der Schmiedekurse vor falschen Erwartungen.

Vor einem Jahr musste sich das Publikum noch mit einem Rennofen begnügen. Diesmal sind es sieben bis neun, damit die Teams voneinander lernen können. Gästen rät Mundhenke: „Zeit mitbringen. Oder mehrfach in Kleinenbremen vorbeischauen.“




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