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Dolmetscher-Beruf gefährdet


Wo Künstliche Intelligenz tatsächlich die Arbeit wegnimmt

Lisa Zenner (59), Übersetzerin, Betriebswirtin und Sängerin, lässt sich von der Welt nicht verrückt machen.

Brandenburg an der Havel. Witzig ist das nicht, ganz und gar nicht. Im Vergleich zu 2024 „habe ich etwa 80 Prozent meiner Kunden verloren“, sagt Lisa Zenner. Die 59-Jährige aus Brandenburg an der Havel ist Übersetzerin für Deutsch und Französisch in beiden Richtungen. Sie sagt: Automatische Übersetzungsprogramme, also Künstliche Intelligenz (KI), zerstören das Geschäft.

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Und zwar dermaßen, dass sie davon allein nicht mehr leben kann. „Wir sind an einem Punkt, wo sich herauskristallisiert, wer noch gebraucht wird“, sagt sie. Und wer nicht. Zum Beispiel die Übersetzerin Lisa Zenner selbst.

Das Sprachtalent wurde der 59-Jährigen so gesehen in die Wiege gelegt: Sie wurde im Saarland geboren, wuchs zweisprachig auf. Später lebte sie in Frankreich, Marokko und Belgien. „Ich hatte die deutsche und die französische Sprache immer im Gepäck.“ Daran dachte sie, als sie ihren Job in Brüssel kündigte und sich als Übersetzerin selbstständig machte. Das war 1998.

Sie habe immer gut zu tun gehabt. „Ich hatte etliche kleine und mittelständische Unternehmen in meinem Kundenstamm.“ Firmen aus der Bekleidungsbranche, der Bahntechnik, der Lebensmittelproduktion. Auch Maschinenbauer und Werkzeugmacher waren dabei, die mit Lisa Zenners Hilfe französisch- und deutschsprachige Kundinnen und Kunden erreichen wollen.

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Weltweites Netzwerk der Übersetzer

„Wünschten die Auftraggeber weitere Sprachen, habe ich andere Übersetzer angefragt und einbezogen.“ So sei ein Netzwerk mit 100 Kolleginnen und Kollegen weltweit entstanden.

Wünschten die Auftraggeber weitere Sprachen, habe ich andere Übersetzer angefragt und einbezogen.

Lisa Zenner

Übersetzerin

Und heute? „Einige dieser klein- und mittelständischen Firmen sind entweder nicht mehr da oder von großen Unternehmen aufgekauft worden“, sagt Lisa Zenner. Die großen Konzerne hätten bereits ihre Übersetzer.

Erst neulich veröffentlichte die Branchenzeitschrift „Markt und Mittelstand“ eine Liste der Berufe, die von der KI bedroht sind. An der Spitze der gefährdeten Berufsgruppen: Dolmetscher und Übersetzer.

Mittlerweile setzt eine ganze Reihe von Firmen bei Produktbeschreibungen und anderen Texten auf Übersetzungsprogramme. „Die sagen nun: ‚Das machen wir selbst‘ oder ‚das macht die Technik‘“, sagt Lisa Zenner. Was heißt die Technik? „Die KI.“

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Hin und wieder bekomme sie die Anfrage, ob sie eine KI-Übersetzung überprüfen kann. „Diese Kunden denken sich, dass das mit einer Stunde getan ist.“ Von wegen: Wollte sie auch diesen Auftrag ernst nehmen, „brauche ich den Ausgangstext, muss ihn komplett lesen, die KI-Übersetzung entsprechend prüfen und gegebenenfalls Passagen ersetzen – in dieser Zeit kann ich die Übersetzung auch gleich selbst machen“.

Der KI fehlt das menschliche Gespür

Was der KI fehle, „und ich weiß nicht, ob sie das jemals kann“, sei das Gespür für Sprache. Wer wortwörtlich übersetzt, kann auf die Nase fallen. „Man muss den Kontext erkennen und sinngemäß übersetzen“, sagt Lisa Zenner. Eine KI-Übersetzung mag bei einfachen Texten funktionieren, „mit komplexen oder gar rechtssicheren aber nicht“, ist sie überzeugt.

Auch wenn die Aufträge immer rarer werden: Sie nimmt sie an. Trotz der teilweise prekären beruflichen Situation, versucht Lisa Zenner die Zeit, die sie gewonnen hat, für sich zu nutzen. „Ich nutze die Gelegenheit, mich endlich mehr der Musik zu widmen“, sagt sie, „und darauf freue ich mich sehr“.

Auf ihrem Motorboot ist Lisa Zenner von vielem unabhängig.
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Auf dem Boot in Brandenburg an der Havel

Und dann ist da noch ihr Boot. „Ich liebe ein Leben in Bewegung“, sagt sie, „das hat nichts mit Unruhe zu tun.“ Das Motorboot ist schon seit einer Weile ihr Zuhause. „Ich kann jederzeit die Leinen lösen.“

In welche Richtung sich allerdings die Übersetzer-Branche bewegt, könne sie nur schätzen. „Ich denke, es wird immer Kunden geben, die wissen, dass nur Menschen ihre Texte korrekt übersetzen können.“ Es gebe aber auch zunehmend Firmen, denen eine halbgare Übersetzung reicht. „Das ist leider so.“

Dieser Artikel erschien zuerst in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ – Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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