Wenn man mal muss

Experten kritisieren: Zu wenig öffentliche Klos in Deutschland

Ein Schild Mann und Frau mit einem Pfeil weist im Berliner Park Charlottenburg auf die Toiletten hin.

Karlsruhe. In Deutschland fehlt es aus Sicht von Experten an öffentlichen Toiletten. „Oftmals sind Toiletten nicht auffindbar, defekt, kostenpflichtig oder nicht barrierefrei“, bemängelte etwa eine Sprecherin von „klo:lektiv“, einem Zusammenschluss von Menschen, die nach eigenen Worten das Thema stärker in öffentliche Debatten einbringen möchten.

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Das Angebot sei nicht flächendeckend und werde bei knappen Haushalten oft vernachlässigt. Es fehle das Bewusstsein, „dass Toiletten ein absolut essenzieller Bestandteil städtischer Infrastruktur sind“. In der Stadtplanung seien Toiletten ein Nischenthema – misslich vor allem für ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit Behinderung.

Im Inneren des öffentlichen Toilettenbaus von Friedensreich Hundertwasser. Der österreichische Architekt hat mit einer öffentlichen Toilette eine Sehenswürdigkeit in Neuseeland geschaffen.

Teures städtisches Vergnügen

Öffentliche Toiletten sind für die Städte und Gemeinden ein nicht gerade billiger Spaß. Berlin gibt pro Jahr rund 17 Millionen Euro für die von von der Stadt betreuten rund 380 öffentlichen Toilettenanlagen aus. Die restlichen knapp hundert werden von anderen Anbietern betrieben, wie ein Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung sagt.

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Stuttgart kostet es pro Jahr knapp 3,4 Millionen Euro, die über 70 Kloanlagen zu betreuen. Ab 2025 sollen alle für die Benutzer kostenlos sein. Bisher ist das nur für einen Teil der Toiletten der Fall. Freiburg lässt sich seine 13 WC-Anlagen nach den Worten eines Stadtsprechers rund 600.000 Euro im Jahr kosten. Viele Städte klagen über Vandalismus und Verschmutzungen, weit über das übliche Maß hinaus, wie es etwa aus Stuttgart, Freiburg oder auch Karlsruhe heißt.

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Die „Nette Toilette”

Laut einer Stuttgarter Stadtsprecherin reichen die Klos in der baden-württembergischen Landeshauptstadt aus. „Wir sehen keinen Bedarf an mehr Toiletten”, erläuterte sie. Berlin wiederum spricht von durchaus auch unterversorgten Gebieten, etwa im Bereich von Badeseen, Parks und Grünanlagen. Vor allem in ländlichen Gegenden gebe es nicht genügend Klos, die für alle zugänglich sind, ergänzte Matthias Zeisberger vom Verein „Inkontinenz Selbsthilfe“. Meist stünden dort nur zu bestimmten Zeiten geöffnete Toiletten in Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung. „Es besteht definitiv Handlungsbedarf, insbesondere auf dem Land“, sagte er.

Neben den öffentlichen Toiletten der Städte gibt es Läden und Lokale, die ihre Toiletten gegen ein von Kommunen gezahltes Entgelt auch Passanten zur Verfügung stellen. So machte ein Konzept aus dem baden-württembergischen Aalen bundesweit Schule: Die „Nette Toilette“, 2002 in Zusammenarbeit mit einer Agentur entwickelt. Die Gastronomie stellt dabei Toiletten kostenfrei auch für Nicht-Gäste zur Verfügung. Im Gegenzug beteiligt sich die Stadt an den Kosten.

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Sauberkeit lässt oft zu wünschen übrig

Der Zustand der öffentlicher Toiletten ist dabei allerdings öfters mal ein Problem. Nicht nur wegen des Ekelfaktors, sondern weil gerade Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Beeinträchtigungen dort einem nicht unerheblichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind, wie Zeisberger sagte.

Für Otto-Normalnutzer seien gesundheitliche Gefahren eher zu vernachlässigen, sagte der Rostocker Hygieniker Andreas Podbielski. „Ich will die Toilettensituation wirklich nicht kleinreden, aber die Chance, sich da was zu holen, ist im Zweifelsfall geringer als im Restaurant”, meinte er. Auch eine Geschlechtskrankheit könne man sich kaum dort einfangen. Bei Erregern auf der Klotürklinke empfiehlt Podbielski ebenfalls einen entspannteren Blick: „Sie fassen vielleicht die Türklinke in einer öffentlichen Toilette nicht an, aber irgendeine andere Türklinke wenig später schon. Da wissen Sie ja auch nicht, was da an Keimen drauf ist.”

RND/dpa/bab

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