Gesellschaft für Sicherheitspolitik

Hochaktuell: So sieht ein Kenner die russische Enklave Kaliningrad

Referiert als Kenner der Exklave Kaliningrad: Dr. Rolf Friedrich Krause. Foto: gn

Auch dieses Mal bewies Sektionsleiter Rainer Lüttge ein glückliches Händchen bei der Wahl des Referenten, denn angesichts des aktuellen Kriegsgeschehens und der damit verbundenen Sanktionen gegenüber Russland, ist die Einschätzung eines Insiders über die Exklave Kaliningrad besonders interessant.

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1200 Kilometer von Moskau entfernt

Die Kaliningrad-Oblast, also das Gebiet um die Stadt Kaliningrad, liegt außerhalb Russlands an der Ostsee, etwa 1200 Kilometer von Moskau entfernt. Das Gebiet mit eine Million Einwohnern, größenmäßig mit Schleswig-Holstein vergleichbar, grenzt im Süden an Polen und im Norden an Litauen. Es liegt außerhalb des russischen Territoriums. Vor dem 1945 bildete es den nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens, damals noch mit dem Namen Königsberg.

Weltnaturerbe der Unesco

Die Sandhügel der vorgelagerten Kurischen Nehrung gehören zum Weltnaturerbe der Unesco. 90 Prozent des weltweiten Bernstein-Vorkommens werden vor Kaliningrad im Tagebau abgebaut.

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Im Frühjahr 1945 wurde die ehemals ostpreußische Stadt von der Roten Armee eingenommen und die deutschen Bewohner flüchteten über das Haff Richtung Westen. Die Bevölkerung wurde quasi ausgetauscht. Fortan lebten in und um Kaliningrad Russen, Ukrainer und Weißrussen.

Es gibt eine starke Westbindung

Nach Einschätzung des Referenten verhalten sich die Obrigkeiten in der Exklave zwar nicht offen illoyal gegenüber der Regierung in Moskau, doch sie würden sich ein wenig unabhängig sehen und hätten ihren „eigenen Kopf“. Es gebe eine starke Westbindung, immerhin hätten 70 Prozent der Bevölkerung einen Reisepass. Die Paraden zum 9. Mai seien dort keine Demonstration der militärischen Stärke, vielmehr eine übersichtliche Zurschaustellung einzelner Mannschaftstransporter, Kanonen und Panzer. Das Ganze habe eher einen Volksfestcharakter.

Zerfall der Sowjetunion

Die Versorgung erfolgt über einen regen Lkw-Verkehr besonders von Polen aus. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 existieren die ehemaligen Kolchosen nicht mehr, die landwirtschaftlichen Betriebe verfielen, die Entwässerungsanlagen würden nicht mehr gepflegt. „Auf mich macht es außerhalb der Stadt den Eindruck eines Freilichtmuseums. Vielfach findet sich noch das alte Kopfsteinpflaster von 1920“, berichtete Krause.

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Keine Erkenntnis zu Kernwaffen

Seinem Eindruck nach hätten auch die Schiffe der Ostseeflotte in Baltisjsk, dem ehemaligen Flottenstützpunkt der Marine nach dem Ersten Weltkrieg, schon bessere Zeiten gesehen. Sicherlich gebe es auch einige Kampfflugzeuge und Raketen, aber ob diese einsatzbereit oder mit Kernwaffen bestückt worden seien, kann der Referent nach eigenem Bekunden nicht beurteilen. Bisher habe man vonseiten der Nato aus die Stationierung dort nicht als Gefahr angesehen.

Krause berichtet allerdings aus seiner Zeit als Generalkonsul von der großen Wärme und Herzlichkeit der Menschen in der Kaliningrad-Oblast, insbesondere gegenüber den Deutschen. Mehr Bewohner der Region seien in Berlin gewesen als in Moskau.

SZ/LZ

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