Auch alteingesessene Betriebe

Keine Angestellten, keine Azubis: Wenn Läden in Schaumburg wegen Personalnot schließen

Der Schriftzug "Wir schliessen" steht hinter einem Rollgitter an einem geschlossenen Geschäft. Symbolfoto: Martin Gerten/dpa

Landkreis. Nicht wenige Inhaber können Geschichten erzählen von jahrzehntelanger Hingabe, von Generationen, die ihren Beruf gelebt haben, und von Kunden, die treu blieben, bis die Türen sich für immer schließen mussten. Dass ein langjähriges Geschäft aufgegeben werden muss, hat oft mehrere Gründe. Die Kunden bleiben weg, die Kosten klettern stetig in die Höhe, angesichts billiger Konkurrenz der großen Discounter kann ein kleiner Laden nicht mithalten.

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In Schaumburg machen immer mehr Bäckereien, Fleischereien und Friseursalons dicht, nicht, weil in erster Linie die Kundschaft ausbleibt, sondern weil es kaum noch Arbeitskräfte gibt, die mit anpacken könnten. Diese Läden im Landkreis mussten ihren Betrieb ganz einstellen oder zumindest einschränken, weil es an Personal fehlte.

Rinteln-Exten: „Daniel‘s Backstube“ macht dicht

„Daniel‘s Backstube“ in Exten hatte eine treue Stammkundschaft, die an Sonntagen frühmorgens von mehreren Verkäuferinnen bedient wurde. Die Backstube ist - nach 21 Jahren - nun „dauerhaft“ geschlossen, und zwar seit dem 27. Oktober 2024. Auf Online-Plattformen hatte die Backstube immer gute Bewertungen: Hier bediene ein „sehr nettes und hilfsbereites Personal“. Doch die langjährigen Mitarbeiterinnen schilderten gegenüber der SZLZ das Problem, neue Kolleginnen zu finden: „Wer will heutzutage noch morgens um fünf Uhr aufstehen?“

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In Exten Am Anger blieb noch die Bäckerei von Uri Unruh. Aber auch im Geschäft des in den sozialen Medien bekannten Unruh mussten sich die Kunden mit verkürzten Öffnungszeiten anfreunden.

Rehren: Stummeyer & Helle geschlossen

Zwei Jahre zuvor hat in Rehren die Filiale des Apelerner Bäckereigeschäftes Stummeyer & Helle, Anfang Oktober 2022, ihren Betrieb eingestellt. Auch in Rehren waren personelle Probleme für die Schließung nach etwa 20 Jahren verantwortlich.

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Obernkirchen: Achter verlässt den Markant-Markt

In Obernkirchen verabschiedete sich Ende 2022 die Bäckerei Achter aus dem Markant-Markt. Nach Jahrzehnten an der Henriettenstraße stellte die Bäckerei diese Filiale ein. An den Kunden lag es nicht, die sammelten zuletzt noch Unterschriften für den Erhalt der Filiale, in der seit rund 30 Jahren Brötchen über die Theke gingen. Neben erhöhten Energiekosten war auch hier Personalnot, denn die Eltern hatten angesichts ihres fortgeschrittenen Lebensalters nicht mehr im Betrieb mitarbeiten können.

Luhden: Fleischerei Mühe gibt Verkaufsstelle auf

Die Fleischerei Mühe gab ihre seit 1996 im Luhdener Penny-Markt betriebene Verkaufsstelle im Februar 2020 auf. Als Gründe nannten die Brüder Jens und Paul Mühe, Geschäftsführer des Familienunternehmens, finanzielle Überlegungen sowie einen Personalmangel im Bereich der Produktion.

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Zu wenige Auszubildende im Fleischerhandwerk

Eine akute Personalnot im Fleischereihandwerk kann der Rintelner Fleischermeister Veit Rauch bestätigen und führt diese unter anderem darauf zurück, dass es immer weniger Auszubildende gebe. Trotz Ausschreibungen und Stellenanzeigen habe er seit einigen Jahren niemanden mehr ausgebildet - weder im Verkauf noch in der Herstellung. In der Region Hannover gebe es zurzeit nur etwa sieben Personen, die die Ausbildung zum Fleischer absolvieren - verteilt über alle drei Lehrjahre. Rauch könnte eigenen Angaben zufolge vier Ausbildungsplätze sofort besetzten - drei im Verkauf und einen in der Produktion. „Es gibt aber keine“, so der Fleischermeister.

Bad Eilsen: Schausteller finden keine Mitarbeiter

Neben zu hohen Kosten ist auch bei Schaustellern Personalmangel ein Problem. Thomas Dorenkamp, Betreiber eines „Autoscooters“ hat an seinem Kassenhäuschen ein Schild mit dem Hinweis „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ aufgehängt, doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf dieses Gesuch hin ein Arbeitswilliger meldet, tendiert gegen Null.

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Rinteln: Friseursalon gibt mangels Arbeitskräften auf

Ein Mangel an Arbeitskräften hat auch den Salon „Hair Lehmann“ in Rinteln zum Aufgeben gezwungen. „Niemand will mehr Friseur werden“, sagt der Inhaber aus Barsinghausen. Anfang des Jahres habe eine Friseurin gekündigt, ein anderer Job habe sie mehr gereizt. Der letzte verbliebene Friseur im Rintelner Laden ging ein halbes Jahr später, um sich selbstständig zu machen. Zusammengerechnet könne er derzeit fünf offene Stellen in den verbliebenen Läden besetzen, sagt Lehmann, Rinteln nicht mitgerechnet.

Bückeburg: Personalsituation sorgt für Stress - Betreiber übergibt Nahkauf

Im Bückeburger „Nahkauf“ an der Langen Straße werden eine große Zahl an Stammkunden und auch viel Laufkundschaft bedient. Martin Bätz, ehemaliger Betreiber des einzigen direkt in der City gelegenen Lebensmittelmarktes, beschäftigte rund zwölf Mitarbeiter, fast alle in Teilzeit. Tatsächlich brauchte er aber 16 bis 18 solcher Mitarbeiter: „Man ist immer nur am Rotieren“, verdeutlichte er die Situation. Wegen dieser und anderer Stressfaktoren hatte sich Bätz entschieden, seinen „Nahkauf“-Markt zum 1. März an einen anderen Betreiber zu übergeben. Übernommen wurde der Lebensmittelmarkt – zum Team gehören auch zwei Auszubildende – von der in Springe ansässigen AK Supermärkte GmbH, die bereits mehrere andere Geschäfte betreibt.

SZ/LZ

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