Von „Checker Tobi“ bis „Triff ...“

Wie Wissensformate für Kinder aus der Nische rauskommen

Moderator „Checker Tobi“ in Berlin.

Hannover. Dokus für Kinder finden in der Regel fast nur bei den öffentlich-rechtlichen Sendern statt. Aber das Genre entwickelt sich weiter. Denn die Nische, in der sich solche Formate immer noch befinden, wird größer. Beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal Kika etwa war man stolz auf eine Nominierung für den renommierten International Emmy 2023: mit der 25-minütigen Folge von „Triff …Anne Frank“.

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In der Sendung, die bereits den Kindermedienpreis „Goldener Spatz“ erhalten hatte und in der Kika-Mediathek zu sehen ist, erlebt die zeitreisende Reporterin Clarissa Corrêa da Silva, wie das jüdische Mädchen Anne Frank sein weltberühmtes Tagebuch erhält. Reportagen aus Amsterdam, Interviews mit den beiden überlebenden besten Freundinnen und animierte Wissensclips ergänzen die Spielszenen.

Kinder „wünschen sich Erklärungen – und Dokus erklären die Welt“

Den Begriff „Nische“ für das Dokusegment im Kinderbereich möchte jedenfalls Sebastian Debertin, Leiter Internationale Programmakquisition beim Kika, gerne etwas differenzierter fassen: „Bei uns ist das schon eine ganz schön große Nische, auch bei ARD und ZDF.“ Und der Bedarf wächst, auch durch beunruhigende Themen wie zum Beispiel Krieg oder Klimawandel, die den Kindern so nahegekommen seien wie noch nie zuvor: „Sie wünschen sich Erklärungen – und Dokus erklären die Welt“, so der Kika-Mann.

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In der ARD-Mediathek sind in der Reihe „CheX!Spezial“ vier Folgen zu sehen, die Kindern den Ukra­ine-Krieg erklären sollen. Das jüngste TV-Publikum hätte viele Fragen zu den „düsteren Nachrichten und Bildern“, hieß es dazu. „Checker Tobi“ alias Tobias Krell ist sowieso in der jüngsten Zielgruppe beliebt, wenn es um Wissensvermittlung geht. Der Film „Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen“ hat zum Beispiel gleich zum Start im Herbst 116 .000 Interessierte ins Kino gelockt. Die Doku begleitet den Protagonisten der gleichnamigen Kika-Wissenssendung auf seinen Reisen ins Amazonasgebiet, in die Steppen der Mongolei sowie in die größte Höhle der Welt nach Vietnam.

Der Rundfunkbeitrag soll steigen: Das ist das völlig falsche Signal

Der Monatsbeitrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio soll auf 18,94 Euro steigen. In den Bundesländern formt sich bereits Widerstand. Und zu Recht: Eine Erhöhung wäre ein massiver Fehler, denn im Kampf um ihre Zukunft dürfen es sich die Sender nicht mit der Gesellschaft verscherzen, kommentiert Imre Grimm.

Wirtschaftliche Gründe machen Kinderdokus schwierig

Bereits „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“ war mit über einer halben Million Besuchern und Besucherinnen ein großer Kinoerfolg. „Das hätte aber sicher nicht so gut funktioniert, wenn das Format nicht schon über Jahre schon im Fernsehen so gut eingeführt worden wäre“, ist sich Debertin sicher, denn über die große Leinwand wird selten ein breites Publikum erreicht, wenn es um anspruchsvollere Stoffe geht.

Dass solche Inhalte fast ausschließlich bei den Öffentlich-Rechtlichen stattfinden, hat letztlich wirtschaftliche Hintergründe. Während ARD und ZDF gebührenfinanziert sind, müssen Privatsender wie Super RTL ihre Einkünfte selbst erwirtschaften. Und das tun sie unter anderem, indem sie ihre Formate sowie Programme über die eigenen Licensing- oder Merchandising-Abteilungen vermarkten, etwa mit Spielwaren zu den entsprechen Inhalten. Und das lässt sich mit Dokus schwer machen.

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Ein Festival schafft etwas Abhilfe

Einen nahezu vollständig nicht kommerziellen Ansatz verfolgt übrigens das Team von doxs!. Mit seinem alljährlichen Festival möchte es künstlerisch orientierte Projekte fördern und vorstellen, die, so Festivalleiterin Tanja Tlatlik, eher zur Auseinandersetzung anregen und dem jungen Publikum die ästhetische Vielfalt des Mediums Film eröffnen. Sie hat ebenfalls festgestellt, „dass es unter jungen Menschen ein großes Interesse für gesellschaftspolitische Themen gibt“.

Das wird für sie auch durch die diesjährigen Auszeichnungen deutlich: Die Jury aus Jugendlichen von doxs! vergab kürzlich an die Produktion „A History of the World According to Getty Images“ den Preis „Die Große Klappe“, weil hier ein „Geniestreich“ gegenüber der „kapitalistischen Geldgier“ gelungen sei. Und der vom europäischen Verband für Kinder- und Jugendfilm (ECFA) ausgelobte Preis für den besten europäischen Kinderdokumentarfilm ging in diesem Jahr an „Actually Literally Arm in Arm“ von Natalie Fischer. Sie begleitete fünf Freundinnen in Berlin, die sich an der Schwelle zwischen Kind- und Erwachsensein befinden.

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