Airline plant Bartverbot für Piloten: Ist die Behaarung ein Sicherheitsrisiko?
Bei Qantas sorgt ein neues Vorhaben für hitzige Debatten: Die Airline plant, allen Piloten das Tragen von Bärten zu untersagen. Offiziell geht es um die Sorge, dass Sauerstoffmasken im Notfall nicht zuverlässig abdichten könnten. Während Langstreckencrews der australischen Fluggesellschaft und ihrer Tochterfirma Jetstar schon seit Jahren glatt rasiert sein müssen, waren Piloten der Regionaltochter QantasLink bislang von dieser Regel ausgenommen.
Diese Sonderstellung soll nun, zum Ärger vieler Betroffener, entfallen. Die Unternehmensleitung beruft sich auf ein Gutachten, das mögliche Sicherheitsrisiken durch Gesichtsbehaarung hervorhebt. Kritikerinnen und Kritiker innerhalb der Pilotenschaft halten das für vorgeschoben und verweisen auf neue Studien, die keine Risiken nachweisen können.
Mit Bart im Flugzeug: Qantas verweist auf Sicherheitsrisiken
Nach Darstellung der Airline könne schon ein kleiner Spalt zwischen Haut und Maske im Ernstfall fatale Folgen haben. Sauerstoffmasken müssten sofort funktionieren und dürften keinen Spielraum für Fehler lassen. In einem internen Schreiben heißt es, das Risiko sei zu schwerwiegend, um es zu ignorieren, erklärt „The Australian“. Daher solle es künftig eine einheitliche Vorschrift für alle Piloten geben, unabhängig davon, ob sie auf internationalen Routen oder regionalen Strecken unterwegs sind.
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Unterstützung erhält Qantas von der Beratungsfirma Qinetiq, die im Auftrag der Fluggesellschaft eine Untersuchung durchgeführt hat. Das Ergebnis: Bärte könnten die Dichtigkeit der Masken beeinträchtigen. Mit diesem Argument will das Management eine klare Linie ziehen. Der Schritt kommt bei den Crews allerdings überhaupt nicht gut an. Einige Regionalpiloten reagierten bereits mit demonstrativem Bartwuchs, um ihren Widerstand sichtbar zu machen, berichtet „Australian Aviation“.
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Sicherheitsrisiko im Flieger? Studien stellen Bartverbot infrage
Während Qantas sich der Gefahren durch die Gesichtsbehaarung sicher scheint, verweisen Kritikerinnen und Kritiker auf wissenschaftliche Untersuchungen, die ein anderes Bild zeichnen. So zeigte eine Studie der Embry-Riddle Aeronautical University, dass Bärte keinen messbaren Einfluss auf die Schutzwirkung von Sauerstoffmasken haben.
Auch kanadische Forscherinnen und Forscher kamen im Jahr 2018 zu ähnlichen Ergebnissen und stellten fest, dass selbst Menschen mit langen Vollbärten zuverlässig geschützt bleiben. Auf dieser Basis erlaubte Air Canada ihren Crews seither kurze, gepflegte Bärte von bis zu 1,25 Zentimetern Haarlänge. Für viele Piloten ist das ein Beleg, dass moderne Masken längst besser konstruiert seien und die Argumentation von Qantas nicht mehr zeitgemäß sei. Gewerkschaften werfen der Airline deshalb vor, mit zweifelhaften Studien eine Politik durchzusetzen, die eher Tradition als tatsächliche Sicherheit im Blick habe.
Bartverbot: Unterschiedliche Regeln bei internationalen Airlines
Ein Blick in andere Länder zeigt, dass Qantas mit diesem strikten Kurs keineswegs im internationalen Mainstream liegt. Airlines wie Lufthansa, Virgin Australia oder auch Golf-Carrier wie Emirates und Etihad gestatten ihren Piloten Bärte, solange diese gepflegt sind. In den USA dagegen gilt bei vielen Fluggesellschaften ein traditionelles Rasurgebot ähnlich wie bei Feuerwehrleuten in den Staaten, deren Atemschutzgeräte absolut dicht sitzen sollen.
Währenddessen lockern selbst militärische Organisationen ihre Regeln. Die australische Luftwaffe etwa erlaubt seit 2022 wieder Bärte als Zeichen von Modernisierung und Inklusion. Damit steht Qantas in einer schwierigen Position: Während weltweit mehr Toleranz gegenüber Gesichtsbehaarung herrscht, könnte die Airline mit ihrem harten Kurs als rückständig wahrgenommen werden.
Noch ist nicht entschieden, ob das Bartverbot tatsächlich in Kraft tritt. Qantas hat einen Konsultationsprozess gestartet und prüft die Rückmeldungen der Crews. Die Fronten sind jedoch schon jetzt verhärtet: Das Management verweist auf absolute Sicherheitsansprüche, während viele Piloten ein überholtes Regelwerk sehen, das nicht zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen passe.
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