Wie stellen Fluggesellschaften sicher, dass die Piloten nüchtern sind?
Alkohol und Fliegen – das passt höchstens zusammen, wenn man sich als Passagierin oder Passagier die Flugzeit versüßt. Pilotinnen und Piloten sollten jedenfalls nüchtern sein, wenn sie ihren Dienst antreten.
Doch erst vor wenigen Wochen ist ein Pilot von Indian Airlines betrunken zum Dienst erschienen. Am Flughafen Vancouver in Kanada wurde der Pilot am 23. Dezember 2025, kurz vor dem Abflug nach Delhi, aus dem Cockpit geholt. Er bestand anschließend zwei Alkoholtests nicht.
Im Januar 2025 wurde ein alkoholisierter Pilot von Southwest Airlines kurz vor dem Start der Maschine aus dem Cockpit eskortiert. Bei der zuvorigen Sicherheitskontrolle war dem Personal aufgefallen, dass der Pilot eine Fahne hatte. Sie verständigten daraufhin die Polizei. Und im Dezember 2024 waren zwei Piloten von Japan Airlines, die von Australien nach Japan fliegen sollten, bei routinemäßigen Alkoholtests vor dem Abflug durchgefallen.
Diese Vorfälle werfen die Frage auf, wie Fluggesellschaften eigentlich sicherstellen, dass die Pilotinnen und Piloten nüchtern sind. Die Antwort ist leider nicht so einfach – jedes Land hat eigene Vorschriften im Umgang mit Alkohol.
Diese Vorschriften gelten in Europa
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Die Europäische Agentur für Flugsicherheit hat 2021 einen Blutalkoholgrenzwert von 0,02 Prozent (0,2 Promille) für Pilotinnen und Piloten festgelegt. Alkoholtests werden in der Regel stichprobenartig durchgeführt. In einigen EU-Staaten gelten jedoch strengere Regeln: So zählt in Tschechien, Ungarn und der Slowakei beispielsweise jeder Blutalkoholwert von mehr als 0,00 Prozent als Verstoß.
In Großbritannien dürfen Pilotinnen und Piloten seit Februar 2022 nur noch fliegen, wenn ihr Blutalkoholgehalt unter 0,02 Prozent liegt. Bei Vorfeldkontrollen werden stichprobenartig Alkoholtests durchgeführt, um die Einhaltung zu überwachen.
Regeln zu Alkoholkonsum sind nicht einheitlich
In den USA gelten weniger strenge Vorgaben: Pilotinnen und Piloten müssen einen Blutalkoholwert von unter 0,04 Prozent haben – beim Autofahren sind 0,8 Promille oder 0,08 Prozent erlaubt –, und zwischen Alkoholkonsum und Dienstbeginn müssen mindestens acht Stunden liegen. Manche Airlines, darunter Delta und United, verlangen zwölf Stunden zum Ausnüchtern.
Alkoholtests erfolgen laut der US-amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA meist stichprobenartig, bei Verdacht oder nach Zwischenfällen. Wer positiv getestet wird, muss mit Maßnahmen von Beratungsgesprächen über Verwarnungen bis hin zu Bußgeldern, Suspendierungen oder dem Entzug der Lizenz rechnen. Im Jahr 2023 wurden laut „CNN“ 64.023 stichprobenartige Tests durchgeführt. Davon hatten 65 Personen – das entspricht 0,001 Prozent – einen Blutalkoholwert von 0,04 Prozent oder höher.
Die kanadischen Luftfahrtbestimmungen geben vor, dass Pilotinnen und Piloten sowie andere Flugbesatzungsmitglieder ihren Dienst nicht ausüben dürfen, wenn sie unter dem Einfluss von Alkohol stehen oder innerhalb der letzten zwölf Stunden Alkohol konsumiert haben. Faktisch bedeutet das: 0,0 Promille.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt ein Maximum von 0,2 Promille, begleitet von regelmäßigen Kontrollen und strengen Sanktionen, einschließlich strafrechtlicher Konsequenzen und Lizenzverlust.
Asiatische Länder haben die strengsten Vorschriften
Auch in Asien gibt es klare Vorgaben: Singapur schreibt acht Stunden Abstand zwischen Alkoholkonsum und Flugdienst sowie eine Obergrenze von 0,02 Prozent Blutalkohol vor, Cathay Pacific besteht sogar auf zehn Stunden Pause. Zusätzlich wurden 2019 in Asien Zufallstests für Pilotinnen und Piloten eingeführt.
In Japan schreibt das Luftfahrtgesetz vor, dass Pilotinnen und Piloten weder unter Alkohol noch unter Drogen oder anderen beeinträchtigenden Substanzen fliegen dürfen. Nach Vorfällen in den Jahren 2024 und 2025 verschärfte die Fluggesellschaft Japan Airlines die Regeln sogar noch: Die Zeitspanne zwischen Alkoholkonsum und Flugbeginn wurde auf 24 Stunden verlängert, vor jedem Flug sind drei Atemalkoholtests Pflicht und sogar während längerer Stopovers mit Hotelaufenthalten ist Alkoholkonsum verboten.
Indien gilt in dieser Sache als das Land mit den strengsten Vorschriften. Die indische Luftfahrtbehörde verfolgt eine konsequente Null-Toleranz-Politik. Beim ersten Verstoß wird die Pilotenlizenz für drei Monate entzogen. Ein zweites Fehlverhalten zieht eine Sperre von drei Jahren nach sich, und bei einem dritten Verstoß ist die Lizenz ganz weg.
Für Pilotinnen und Piloten bedeutet das: Zwischen Alkoholkonsum und dem Einsatz im Cockpit müssen mindestens zwölf Stunden liegen, zugleich gilt ein Blutalkoholgrenzwert von exakt 0,00 Prozent. Zusätzlich sind vor jedem Flug verpflichtende Atemalkoholtests unter Videoüberwachung vorgeschrieben.
Studie: Alkoholmissbrauch in der Luftfahrt kein Einzelfall
Alkohol kann die Reaktionszeit verlängern, das Urteilsvermögen beeinträchtigen, die Konzentrationsfähigkeit mindern und zu Schwindel und Übelkeit führen – Effekte, die nicht zu verantworten sind, wenn man das Leben Hunderter Passagierinnen und Passagiere in den Händen hat.
Dennoch haben einige Pilotinnen und Piloten einen problematischen Umgang damit, wie eine französische Studie aus dem Jahr 2025 ergab.
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Eine anonyme Online-Umfrage unter 1220 europäischen Airline-Pilotinnen und ‑Piloten zeigte das Ausmaß an psychischen Belastungen: Mehr als ein Viertel gab an, unter Angstzuständen zu leiden, 13 Prozent berichteten von depressiven Symptomen und rund 40 Prozent wiesen Anzeichen von Alkoholmissbrauch auf. 90 Prozent der Befragten waren männlich.
Der Europäischen Agentur für Flugsicherheit zufolge können Angststörungen und Depressionen dazu führen, dass Pilotinnen und Piloten für medizinisch untauglich befunden werden. Ein besonders tragisches Beispiel für die Risiken psychischer Erkrankungen im Cockpit war der Absturz des Germanwings-Flugs im März 2015. Die Untersuchung der französischen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BEA) ergab, dass der Co-Pilot schwer depressiv war und die Airline nicht darüber informiert hatte.
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