Italien

Diese Wanderwege führen zu den beeindruckenden Martalar-Skulpturen

Der „Flügellöwe“: Marco Martalar gestaltet seine mythologischen Skulpturen mit Sturmholz aus dem Trentino.

Das Trentino, eine friedliche Bergregion in der Nähe des Gardasees in Norditalien, wurde im Herbst 2018 von einem brutalen Unwetter heimgesucht.

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Sturmtief „Vaia“ fegte mit Orkanböen durch Südtirol, löste Überschwemmungen, Erdrutsche und Stromausfälle aus. Einige Orte waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Im gesamten Adria-Raum kamen 38 Menschen ums Leben.

Auch für die Wälder im Trentino hatte der Sturm fatale Folgen, denn „Vaia“ warf zahllose Bäume um. Die Folgen sind bis heute an vielen Orten erkennbar. Das vernichtende Sturmtief ließ Hunderttausende Festmeter Totholz zurück. Ein italienischer Künstler wollte aus der Katastrophe jedoch etwas Schönes schaffen – ob ihm das gelungen ist, können Wandernde selber bewerten.

Sturmschäden im Trentino: Orkan „Vaia“ warf in Südtirol zahllose Bäume um.
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Martalar: „Ich wollte die Wunde der Natur heilen“

Künstler Marco Martalar, der im venezianischen Asiago geboren wurde, auf der Hochebene von Mezzaselva di Roana lebt und dort als Bildhauer arbeitet, erlebte den Sturm als Zäsur. Der Bildhauer hatte seine Holzskulpturen bis dahin vorwiegend mithilfe von Motorsäge und Feuer geschaffen. Doch nach dem Sturm änderte er seinen Kunststil.

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Der Anblick der Sturmfolgen in seiner geliebten Heimat traf den Hochlandbildhauer schwer. „Ich bin ein Mann des Waldes. Nach ‚Vaia‘ bin ich in meinen Bergen spazieren gegangen und habe bei jedem Schritt ausgerissene Bäume, unbedeckte Wurzeln getroffen“, sagt Martalar. Doch nach einiger Zeit habe sich die Entmutigung in Inspiration gewandelt. „Ich wollte die Wunde der Natur heilen, indem ich sie in ein Kunstwerk verwandelte, das ihre Erinnerung bewahrt, aber auch ein Zeichen der Hoffnung und Wiedergeburt setzt“, so der Künstler rückblickend.

Das Ergebnis des inspirativen Wandels lässt sich nun an vielen Orten im Trentino bestaunen. Aus dem Sturmholz hat Martalar Skulpturen geschaffen, die an mythologische Figuren aus der Antike erinnern. Ein Symbol der Stärke, Hoffnung und Kraft. Viele seiner Kunstwerke hat der Italiener inmitten der Natur platziert. Die riesigen Figuren sind frei zugänglich und bei Wanderinnen und Wanderern, die im Trentino unterwegs sind, ein zunehmend beliebter Zwischenstopp.

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Doch wo genau lassen sich die Kunstwerke finden? Und wie können sie erreicht werden? Der reisereporter stellt die spannenden Skulpturen vor.

Der beflügelte Löwe

Das erste Kunstwerk, das Martalar nach dem fatalen Sturm im Trentino geschaffen hat, ist der „Beflügelte Löwe“.

Der Künstler versteht das Werk als Ausdruck einer historischen Verbundenheit der venezianischen Menschen mit der Natur – und zugleich als Symbol der Stärke, mit der die Bewohnerinnen und Bewohner einst Hungersnöte, Kriege und Naturkatastrophen überwunden haben, wie auch den verheerenden Sturm in den Wäldern bei Mezzaselva di Roana, aus denen Martalar das Material für die Skulptur gesammelt hat: rund 1500 Holz- und Wurzelstücke.

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Seine Heimat hat der drei Meter hohe und knapp fünf Meter lange Löwe auf der Hochebene der „Sette Comuni“ (Sieben Gemeinden), zu denen auch Martalars Heimatort Asiago zählt. Nach Ausflügen zu den Filmfestspielen in Venedig und zu einer Museums-Ausstellung in Rovereto hat ihn Martalar zunächst zurück in seine Werkstatt geholt. Wo der „Beflügelte Löwe“ als Nächstes landet, wird der Künstler auf seinem Instagram-Profil verkünden.

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Der Greif

Zu den berühmtesten Skulpturen von Marco Martalar zählt der „Greif“ von Celado. Die Hochebene mit toller Aussicht auf das Tal von Tesino verbindet die Regionen Trentino und Venetien. Genau deshalb hat sich Martalar für den Standort entschieden. Der sechs Meter hohe und neun Meter lange „Greif“ – selbst eine Mischung aus Adler und Löwe – steht laut Martalar für die „Verschmelzung“ der beiden Regionen.

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Vom ortseigenen Parkplatz in Castello Tesino ist der Greif auf einer einfachen Wanderung über 342 Höhenmeter erreichbar. Dauer: etwa eine Stunde und 20 Minuten. Wer nicht gut zu Fuß ist, kann zum Beispiel an den Restaurants Ai Larici oder Al Cacciatore parken und die Wegzeit dadurch auf 15 beziehungsweise auf 25 Minuten verkürzen.

Der Adler

Stolz und mächtig blickt der Adler von der Gemeinde Grigno auf die Marcesina-Ebene hinab. Laut Bildhauer Martalar ist das gigantische Kunstwerk (sieben Meter hoch, 1600 Kilogramm schwer) der größte Holzadler Europas. Er soll an die „Waldkatastrophe“ von 2018 erinnern, der etliche Bäume in Marcesina zum Opfer fielen – aus dem Wald stammt auch das Totholz, aus dem der Adler besteht.

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Martalar hat den Adler als „Symbol für Stärke und Freiheit“ erschaffen. Zugleich solle der majestätische Raubvogel aber auch die „Aggression und Kraft“ der Naturgewalt verkörpern, die den umliegenden Wald umgelegt hat.

Der Adlerhorst versteckt sich in der Nähe der Schutzhütte Barricata im unteren Valsugana-Tal bei der Gemeinde Grigno – etwa 20 Kilometer vom Standort des „Greifs“ entfernt. Die Schutzhütte ist zugleich Startpunkt einer schönen Wanderung über idyllische Almen und durch weitläufige Mischwälder zu den zerklüfteten Schluchten und Gesteinsformationen Castelloni di San Marco. Die mittelschwere, rund zehn Kilometer lange Tour dauert etwa vier Stunden.

Der Drache „Vaia Regeneration“

Beim furchterregenden Anblick des „Drachen von Vaia“ fühlen sich Fantasy-erfahrene Besucherinnen und Besucher zwangsläufig an die Meisterwerke „Der Hobbit“ und „Game of Thrones“ erinnert. Doch wie Tolkiens Drache Smaug erlitt im Sommer 2023 auch der „Drache von Vaia“ ein jähes Ende, als rücksichtslose Unbekannte die beeindruckende Skulptur von Bildhauer Martalar in Brand steckten und vernichteten.

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Doch trotz Wut und Enttäuschung konnten die „Dachentöter“ den Künstler Martalar nicht davon abbringen, am gleichen Ort eine noch majestätischere Drachen-Skulptur zu erschaffen – schließlich stehen seine Skulpturen genau für diese Hoffnung und Zuversicht, die bei den Menschen im Trentino in schwersten Krisen fortbestanden haben.

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Martalars zweiter Drache trägt den Namen „Vaia Regeneration“. Der Künstler hat das 16 Meter lange, sieben Meter hohe und sechs Tonnen schwere Ungetüm aus verkohltem Holz erschaffen. „Dieser neue Drache ist nicht nur ein Hüter der Beziehung zwischen Mensch und Natur, sondern auch ein Hüter der Erinnerungen, der Geschichten, ein Symbol der Wiedergeburt und Widerstandskraft, wo wir Menschen immer demütig vor Mutter Natur bleiben sollten“, sagt Martalar.

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Der pechschwarze Drache wacht an der „Tablat-Wiese“ in der Nähe von Gionghi-Cappella über eine malerische Weidenlandschaft. Bei der Anreise mit dem Auto empfiehlt sich das Chalet Dana Incantata als Zielort. Von dort geht es zu Fuß weiter zur Fraktion Magré oder mit dem Sessellift hinauf.

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Wanderinnen und Wanderer können auf dem rund vier Kilometer langen Wanderweg „Giro de Tablat“ zum Sitz des Drachen marschieren, sozusagen wie Hobbit Bilbo mit den grummeligen Zwergen in der Fantasygeschichte von Tolkien – nur deutlich kürzer und friedlicher. Ringsum gibt es außerdem mehrere unterhaltsame Familienwanderwege, wie zum Beispiel den „Pfad der Quellen“ (vier Kilometer) oder den „Pfad des Atmens der Bäume“ (sechs Kilometer).

Die Wölfin

Es ist ein episches Bild: Mitten im sturmzerstörten Wald vor dem Lagorai-Gebirge heult eine Wölfin, als wolle sie den schmerzlichen Verlust ihres Reviers im Valsugana-Tal beklagen. Das ausdrucksstarke Kunstwerk von Marco Martalar erinnert wie auch seine anderen Riesenskulpturen an den vernichtenden Orkan im Jahr 2018. Für die sechs Meter hohe Skulptur sammelte Martalar rund 2000 tote Wurzeln und Äste. An der Wölfin hat er zwei Monate lang an Ort und Stelle gearbeitet.

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Auf kürzestem Wege lässt sich Martalars Wölfin vom Parkplatz des Restaurants Nif: Alpine Taste nördlich von Vetriolo Terme erreichen. Von dort führt ein rund ein Kilometer langer Forstweg zur Holzskulptur. Die Wölfin steht auf einem Aussichtpunkt, von dem sich ein toller Blick auf die Berge und den Levico-See zeigt.

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Wer mehr von der Natur im Trentino erleben möchte, kann in Vetriolo Terme zu einer etwa sieben Kilometer langen Rundwanderung aufbrechen und an der Wolfsskulptur einen Zwischenstopp einplanen.

Der „Haflinger von Strembo“

Die aus seiner Sicht „verlorene Verbindung zwischen der modernen Gesellschaft und der Natur“ hat Bildhauer Martalar in 2024 zu einem weiteren Rekord-Kunstwerk inspiriert: dem „Haflinger von Strembo“. Die riesige Konstruktion aus Totholz ist laut Martalar das größte Holzpferd der Welt.

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Seine erste Begegnung mit einem Haflinger hatte Martalar bei einem Ausflug in das nahe gelegene Rendena-Tal. Dort haben die kräftigen Arbeitstiere eine lange Zuchtgeschichte.

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„Der Haflinger ist ein Pferd mit sanften und großzügigen Eigenschaften“, schwärmt der Bildhauer. Daraufhin schuf er innerhalb von nur drei Monaten ein trojanisches Trentino-Pferd: einen sieben Meter hohen und fünf Meter langen Holzhaflinger.

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Martalars „Haflinger“ tänzelt nun vor der malerischen Bergkulisse in der Gemeinde Strembo – etwa eine Stunde Autofahrt vom Nordufer des Gardasees entfernt. Ringsum erstreckt sich ein bergiges Wandergebiet und das bekannte „Val de Genova“ mit schönen Wasserfällen wie den „Cascade Nardis“ oder den „Cascata di Lares“.

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