"Mein Puls war bei 180"

Trotz schwacher Schlussviertelstunde: HSG Schaumburg nimmt HSG Nienburg auseinander

Akrobatisch: Philip Reinsch trifft für die HSG Schaumburg, die einen sicheren Erfolg gegen die HSG Nienburg feiert.

Waltringhausen. Über 45 Minuten hat die HSG Schaumburg stark bis überragend gespielt, die HSG Nienburg durch Tempohandball förmlich auseinandergenommen und den Gästen am Lichterfestspieltag dieselbigen früh ausgeblasen. Der Schaumburger Regionalligist erzielte durch Daniel Bruns das 37:19, dann aber ging die Konzentration flöten und 15 Minuten später war der Vorsprung zwar immer noch üppig, aber auf 42:34 geschrumpft.

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Trotz der schwachen Schlussviertelstunde war HSG-Trainer Florian Marotzke über den Sieg erleichtert. „Das sind ganz wichtige Punkte. Wir haben nach einem vermeintlich schwierigen Spiel in Großenheidorn auch das vermeintlich einfache Spiel gegen den Tabellenletzten gut gestaltet.“ Es sei aber nur über 45 Minuten gut gewesen. „Es muss uns deshalb im Gedächtnis bleiben, dass, wenn wir schlecht spielen, der Gegner sofort ausnutzt – egal wer.“

Bereits in der Startphase der Partie ließen die Gastgeber keinen Zweifel daran, wer das Spiel gewinnen sollte. Die Nienburger erwischten eine ganz schwache erste Halbzeit, gingen allerdings auch dezimiert und ohne Top-Torjäger Steve Kählke in die Partie. „Wir haben ihre Schwächephase gut ausgenutzt“, freute sich Marotzke. Die HSG Schaumburg spielte eine starke Abwehr, die Gäste leisteten sich technische Fehler und zahlreiche Fehlwürfe. Wenn bei den Nienburger etwas ging, dann über den Kreis und später vor allem über die rechte Seite.

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Fynn Graafmann verwandelt alle acht Siebenmeter

Mit einem Strahl in den Winkel sorgte Haakon Wiebe für das 9:4 (11.) und als dann noch Paraden von Keeper Kjell Motzkus hinzukamen, war es um die Gäste geschehen. Fynn Graafmann stellte per Siebenmeter auf 22:7 (25.). Der HSG-Spielmacher, ähnlich sicher wie Harry Kane beim Fußball, trat insgesamt achtmal vom Punkt an und verwandelte alle sicher.

Die Nienburger brachten nach einer Viertelstunde den lange verletzten Spielmacher und Kapitän Malte Grabisch, was zunächst aber wenig Halt in die überhasteten Aktionen brachte. Marcel Rose, ebenfalls mit Comeback nach Knieverletzung, wurde bei einem Konter von Lasse Kock abgeräumt – Rote Karte (25.). Mit dem Pausenpfiff verkürzte Grabisch mit seinem ersten Treffer zum 11:25, aus Nienburger Sicht drohte dennoch auch in Durchgang zwei Ungemach.

Die Schaumburger spielten in der gut gefüllten Waltringhäuser Sporthalle weiter wie aus einem Guss, bauten den Vorsprung auf 37:19 aus. Aber nach einer Zeitstrafe gegen Bruns und einigen Wechseln schlich sich deutlich merkbar der Schlendrian ein. Die Nienburger erzielten nach leichten Ballgewinnen zwei Tore in Folge. Marotzke reagierte mit einer Auszeit. Es half nichts, es blieb schlampig, die Gäste erhöhten den Lauf auf 5:0 und waren plötzlich wieder angezündet. “Wir schließen die Lücken nicht mehr, verteidigen nicht mehr so konsequent, spielen nicht mehr zügig und schnell“, zählte Marotzke einige Defizite auf.

Marotzkes Puls geht auf 180

In der 58. Spielminute führte die HSG Schaumburg nur noch 40:32. Marotzke nahm noch eine weitere Auszeit. „Das ist bei so einer Führung eigentlich gar nicht mein Ding. Aber mir ging der Puls auf 180″, sagte der Coach, der seinem Team, sichtlich erregt über leichte Ballverluste und schlampiges Spiel, die Meinung geigte.

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Hätte des Spiel bei mehr Zeit auf der Uhr noch in die Hose gehen können? „Damit war tatsächlich nicht zu rechnen, weil ich keine Möglichkeiten mehr zum wechseln hatte“, sagte der Nienburger Coach Tobias Naumann. „Nach der eher anständigen zweiten Halbzeit waren meine Jungs alle.“ Man sei in der ersten Halbzeit zu leblos gewesen, räumte der Coach ein. „Wenn man so hoch führt, wechselt man, dadurch kam ein Bruch rein. Wir sind dagegen etwas aufgewacht, dann entwickelt sich so ein Spiel.“ Es sei trotz der Aufholjagd „ein scheiß Ergebnis, zumindest heute Abend“, sagte Naumann.

Die HSG Nienburg macht aus personeller Sicht gerade schwierige Zeiten durch. „Wenn man aus der ersten Sieben vier Spieler ersetzen muss, wird es schwer“, sagte Naumann, der sich aber über ein gelungenes Comeback von Malte Grabisch freute. „Es waren ein paar Sachen sehr gut, aber man hat auch gemerkt, dass noch Spielpraxis fehlt.“

Für Florian Marotzke ist der Tabellenletzte aus der Nachbarschaft noch lange kein Absteiger: „In der zweiten Halbzeit hat man gut gesehen, dass die Nienburger Handballspielen können.“

HSG Schaumburg: Motzkus – Hinze 1, Bruns 8, Knüttel 1, Graafmann 8/8 Siebenmeter, Thieme 1, Wohlt 1, Rose 2, Flöricke 4, Wiebe 7, Lüer 3, Reinsch 4, Mosch 2.

Spielfilm: 3:0, 5:2, 7:3, 10:5, 16:6 (19.), 22:7, 25:11 (30.), 28:13 (35.), 32:15, 36:17 (44.), 37:23 (49.), 39:29 (56.), 42:34 (60.).

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